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Heute sind wir also zu der Feriensiedlung "Weißenhäuser Strand" gefahren, um uns das auch noch mal anzutun anzusehen. Jemand nannte das "Bronx der Bucht", das klang ja sehr interessant und wie eine Vorlage für eine nette, deprimierende Bildergalerie. Aufgrund von ein paar Kommentaren zu unserem Artikel "Frust am Strand" haben wir uns gedacht, jetzt müssen wir doch noch die Feriensiedlung besuchen, die nur ein paar hundert Meter von dem "Strand" entfernt ist. Die Bezeichnung "Strand" hat diese Mülldeponie eigentlich nicht verdient, wie wir selbst gesehen und fotografisch festgehalten haben. Dazu siehe den vorhergehenden Artikel "Frust am Strand".

Ich möchte auch noch mal vorausschicken, dass ich hier meinen und unseren höchstpersönlichen Eindruck von unserem heutigen Besuch beschreibe und diese Beschreibung keineswegs als Rat, Empfehlung, oder was-auch-immer zu verstehen ist.


Der erste Eindruck ist immer der schlimmste beste, sagt man. Naja, von "Eindruck" kann man bei dieser Siedlung wirklich erst mal nicht reden. Beeindruckend geht anders: für Plattenbauten nicht eckig genug, für eine Ähnlichkeit mit Berlin-Marzahn zu klein und für eine Wohlfühlatmosphäre ... jetzt aber aufs Gas getreten und durch den Ort gefegt, am anderen Ende schnell raus, anhalten und Luft holen. Das ist eine Feriensiedlung in Schleswig-Holstein? Im Jahre 2017? Echt jetzt?

Schon die Einfahrt in den Ort hatte etwas Surreales. An der rechten Seite ein fast endlos anmutender, stabiler und undurchsichtiger Zaun. Die Ortsgestalter dort müssen den Wachturm und die Stacheldrahtrollen obendrauf sicherlich nur vergessen haben. Eine Aussicht ist damit nur nach links möglich. In Nordkorea hätte uns wohl ein Aufpasser den ganzen Tag begleitet. Wir haben Carlo dabei, der bei der Ortsdurchfahrt nur kurz aus dem Fenster blickt, aufjault und dann eine halbe Stunde nicht mehr rausguckt (isch schwör, is wahr!).

"Bronx" stimmt insoweit nicht, als dass hier nicht die marodierenden Horden mit Einkaufswagen voll geklauter Fernsehgeräte durch die Straßen ziehen. Das heißt, um genau zu sein: wir haben das nicht beobachtet, und das hat Gründe. Also es kann sein, dass um die Ecke gebrandschatzt und geplündert wird, man kann es aber von der Durchgangsstraße aus nicht sehen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber eher null. Bei diesem Schietwetter ist ohnehin kaum jemand draußen.

(Eine Übersichtskarte der Anlage findet sich hier.)

Wir drehen also um, und wagen den zweiten Blick. Am Ortseingang eine Art Park. Das Zufahrtstor (vor dem Parken bei einer nicht näher beschriebenen schweren Strafe verboten ist) weist eine schwere Kette und ein schweres Vorhängeschloss auf. Das Seitentor ist offen, was dem Park keinerlei optischen Gewinn verschafft.

Ein sehr massiver Zaun umrundet diesen Hochsicherheitstrakt. Wie es scheint, ist das auch derselbe Zaun, der uns schon bei der Einfahrt in den "Ort" ein bedrückendes Gefühl erfolgreich zu vermitteln suchte. Im Hintergrund an der Holzhütte mit dem biologisch-ökologisch korrekten Dachbewuchs das Lieblingsschild der Ostseeküsten-Anrainer: "Kasse".

Vor und hinter dem Ort, an jeder Ecke, einfach überall: absolutes Halteverbot. Absolut, ausnahmslos. Die großen Parkplätze sind auf einer Seite, dann die Straße, dann die Siedlung. Die Zufahrten in die Siedlung sind durch Schranken verbarrikadiert. Hindurchfahren geht für Fremde nicht, auch nicht zum Supermarkt im "Zentrum", auch nicht zu einem Restaurant - nichts. Man findet auf Anhieb auch keine Zufahrtsmöglichkeit beispielsweise für Behinderte. Hier sind nur Schranken, Gitter und Zäune. Häßliche Zäune.

Wir drehen uns von diesem Park weg, ohne ihn zu betreten. Das ist auch besser so, wir wären von einer leeren Wasserfläche und einem Schnellimbiß überrascht worden. Hier gibt es eine Schleppeinrichtung für Wasserski. Keinen Park. Man kann um ein paar künstlich angelegte "Teiche" von sehr regelmäßiger Form (d.h., auch künstlichem Aussehen) herumspazieren. Aber dann ist das noch lange kein Park. Soweit vielen Dank an Google Earth, man kann Google Earth nicht oft genug empfehlen, um sich vorher über sein Reiseziel zu informieren.

Und natürlich, um ein geplantes Reiseziel auch schnell mal zu vergessen.

Wir drehen uns nun vom Park weg. Nein, die Innenstadt von Pjöngjang Weißenhäuser Strand ist immer noch da. Carlo will ins Auto. Unter seine Decke.

Wir rollen langsam vorwärts, als der Schmerz in den Augen nachläßt. Links in der Seitenstraße stehen flache Bauten, rechts auch. Die rechts sind höher als die links. Und besser erhalten sind die links, das macht sie aber nur graduell hübscher.

Das Schild "Privatgrundstück" ist nicht zu übersehen. Wir wissen nicht, ob das eine Drohung ist oder nur eine Feststellung. Immerhin hält es uns davon ab, auch mal durch die Siedlung zu spazieren und dort ebenfalls Fotos zu machen. Kann gut sein, dass man mit Fotos von "da drin" eine kräftige Abmahnung einfängt, besonders wenn die Fotos nicht jedem gefallen. Vom öffentlichen Verkehrsraum, wie gesagt, no problem.

Wir haben uns auf der Hauptstraße hindurchgeschlichen und hier und da an der Seite angehalten, dann ein paar Fotos gemacht. Die gesamte Siedlung ist mit Schildern "Privatgrundstück" umgeben. Daher ergeben sich für mich durchaus schon Zweifel an der Rechtmäßigkeit der reihenweise aufgepflanzten Warn-, Droh- und Verbotstafeln. Ein "Willkommen" sieht ganz, ganz anders aus. Ein paar Dänen verlassen die Zufahrt, in der wir kurz anhalten wollen. Weil die ein wenig eng ist, kommen die sehr dicht an uns vorbei. Die haben in der Zufahrt - wie wir auch - nur gewendet. Die Dänen sehen aus, als hätten sie gerade ein Verbrechen mit ansehen müssen: geschockte Mienen, denn diesen Absperr- und Schrankenwahn kennt man aus Dänemark wohl nicht.

Hinter den Eternit-Platten sitzt sicherlich guter deutscher Beton aus den 70ern. Was in den Baujahren zur Isolierung verwendet wurde, ist allgemein bekannt. Die Balkons sind interessant ausgerichtet: man hat entweder die Straße mit dem Durchgangsverkehr im Blick, den "Kassenautomat" oder die Eternitplatten zum Nachbarn. Make Tristesse great again!

Wir fragen uns sowieso, was hier überhaupt jemand will - an diesem grauen Tag bei Nieselregen. Offenbar sind es wie wir Leute, die ein Selfie vor den Ferienbunkern machen wollen, um zu Hause damit anzugeben: "Guck mal, ich war in Pjöngjang!"

Auf der einen Seite der Straße befindet sich ein sehr, sehr langer Parkplatz, natürlich (!) mit Schranke und dem guten deutschen "Kassenautomat". Wir parken hier heute nicht, stellen aber fest, dass der Parkplatz durchaus schon nett ausgelastet ist. Für einen Tag Ende Februar mit wirklich bescheidenem Wetter und viel Nieselregen ist das eigentlich erstaunlich.


Die Tarife haben wir uns nicht angesehen. Am Strand sollen es 10 Euro pro Tag sein. Zu den Preisen hier trifft auch die offizielle Webseite keine Aussage. Für die Gäste der Ferienanlage soll es kostenfreie Parkplätze geben. Die dürften sich hinter den Schranken befinden, einige sind ja auch von hier aus sichtbar.

Warum wir jetzt nicht parken, wenn es woanders nicht geht? Wir wollten eigentlich durch diese Mini-Siedlung spazieren und Fotos machen. Viele Fotos, die die Anlage in all der 70er-Jahre-Pracht zeigen. Sowas sieht man in Schleswig-Holstein kaum ein zweites Mal (und das ist ein erleichternder Gedanke). Wir sind von der Fototour aber abgekommen, weil die Schilder rundherum diesen Ferienort als Privatgrundstück ausweisen. Es ist kaum anzunehmen, dass man da Fußgänger hinwegscheucht, immerhin bringen auch Tagesgäste (der Parkplatz ist zu 1/3 voll!) manchmal Geld herein. Das wird dringend für ein paar Säcke frischen Beton gebraucht, wie man an der einen oder anderen Ecke ja sieht.

Der Grund ist, dass Fotos von Privatbesitz eine Art rechtliche Grauzone darstellen. Hier sind derart viel Verbotsschilder, dass es einen schaudert. Irgendwo steht sicher auch was von "Fotografierverbot". Die Fotos eines Privatgrundstückes zu veröffentlichen ist auch eine andere Sache als ein Spaziergang dort, denn zum Beispiel fehlen Schilder "Betreten verboten" oder "Zutritt nur für Feriengäste". Aber, wie gesagt, in den AGB kann eine solche Klausel verankert sein. Ich wäre auch angesichts des Zustandes mancher Gebäude nicht so sehr überrascht, wenn man keine Bilder von innerhalb der Anlage zeigen dürfte. Wir blieben daher auf der sicheren Seite und fotografierten ausschließlich aus dem öffentlichen Straßenraum heraus. Das fällt unter die Panoramafreiheit, und man kann uns nicht untersagen, diese Bilder zu zeigen.

Hier ist er, der Kassenautomat! Ich bin übrigens auch immer fasziniert von den ganzen Verkehrsschildern im Bündel am Mast, und manche davon noch nicht einmal normgerecht. Hier besteht eindeutig noch Verbesserungsbedarf!

(Schmankerl am Rande: die offizielle Website zeigt auch keine einzige Außenaufnahme wink)

Stilblüten von einem ausführlichen Verbotsschild:

  • Jeder Besucher hat sich so zu verhalten, dass Anstand und Sitte gewahrt (...) werden.
  • Der Verzehr von mitgebrachten Speisen (...) ist verboten! (Ausrufezeichen!)
  • Fundgegenstände sind an das Personal abzugeben. (richtig wäre: beim Personal)
  • Den Hinweisen des Personals ist Folge zu leisten. (Hinweisen? richtig wohl: Anweisungen)
  • Besucher haften für Schäden, die durch ihr Verschulden entstehen. (Da mußte wohl Punkt 13 unbedingt noch Text bekommen. In Deutschland haftet grundsätzlich jeder für Schäden, die er anrichtet. Außer man ist noch nicht schuldfähig, bis zum 6. Lebensjahr. Vermutlich ist Punkt 13 für diese Zielgruppe gedacht. Dann umgeht man das BGB, und die Regelung ist nicht nur überflüssig, sondern auch noch rechtswidrig.

Die Häuser sind mit Nebenausgängen oder auch Brandschutztreppen nachgerüstet worden. Unterhalb der Treppe sieht es genauso einladend aus wie rund um den Kassenautomaten im Bild oben.

Von der anderen Seite sehen die Häuser auch nicht hübscher aus. Den Gästen bleibt der Anblick der Straße nach Osten erspart. Ist auch gut so, gegenüber würde man eh nur auf den Parkplatz starren. In der Saison könnte man immerhin sicher noch den Parkplatzwächter betrachten. Mir ist in touristisch geprägten Orten tatsächlich noch kein Ort untergekommen, der nicht mit einem solchen Individuum ausgerüstet gewesen wäre.

"Eternit" kommt sicherlich von "Eternity" - "Ewigkeit". Ob sich das auf die Haltbarkeit bezieht, oder eine Anspielung auf das gruftige Design darstellt ... man weiß es nicht.

Zwischen den Häusern führen hier und da Pfade in das Innere der Anlage. Davon kann man übrigens auf der offiziellen Webseite der Anlage nicht ein einziges Bild finden. Ich habe dort heute, 26.02.2017, intensiv nach Bildern vom Außenbereich gesucht und nicht eins gefunden.

Nicht alle Fassaden sind schon so beschädigt wie in dem Bild oben. Manche sind einfach nur stark angeschmuddelt. Andere wieder scheinen in jüngerer Zeit neu gestrichen worden zu sein. Wer dieses furchtbare Beige angerührt hat, sollte seinen Firmennamen lieber nicht mit dem Ergebnis verknüpft sehen wollen! Ich finde, Beige ist noch sehr viel trister als Grau. Die fensterlosen Fassaden hätten durch großformatige Graffiti (nicht: Schmiererei, ich rede hier von künstlerischer Graffiti!) sicher gewonnen. In Kiel hat man so eine Fassade von SKY XXL (früher: Plaza) unglaublich bereichert.

Hinter der Reihe von Luftschutzbunkern Apartmenthäusern findet sich noch ein Campingplatz. Dort sind die Schranken Standard wie auf jedem Platz. Die Besucherparkplätze links sind allesamt mit Sperren verschlossen. Oder sind es Parkplätze für die Mitarbeiter? Bis jetzt habe ich auch noch keine Hinweise auf Barrierefreiheit gesehen.

Wenn man sich gleich am Spaßbad mal an die Seite drückt, sieht man eine "Information", die auch ebenso den Eingang zu einem Hochsicherheitsgefängnis darstellen könnte. Noch abweisender gingen die rechts sichtbaren Gitter nicht zu gestalten. Davor übrigens wieder eine der zahlreichen Schranken, mit denen hier jede Einfahrt gegen Feinde Zombies Besucher abgeschottet ist.

Außer absoluten Halteverboten und jeder Menge anderer Gebots-, Verbots-, Hinweis- und Drohschilder gibt es hier nicht mal eine Parkbucht vor einer Infotafel, wo man sich eventuell mal kurz orientieren könnte.


Unteres Bild: Links das Gebäude wird wohl innen saniert. Es steht unten leer, soweit man das sehen kann. Die Laubengänge sind richtig süß retro.

Im Sommer gäbe es hier Aussicht auf den langen Parkplatz, aber da sind die Bäume gnädig bewachsen. Da ist dann auch der Straßenlärm und das Abgas sicher erträglicher.

Von hier an der Straße habe ich mal mit Google Earth nachgemessen, wie weit es bis zum Strand wäre. Ich komme da auf beinahe 900 Meter, und da ist man noch nicht nach links oder rechts gegangen, um sich einen Platz zu suchen. Einfach durch die Stadt, um den Riesenkasten an der Wasserseite herum und dann den Pfad zum Strand.

Die nächste Schranke enthält unter anderem auch rechts ein stilisiertes U-Boot, daneben eine pechschwarze Quallenart. Hat sich die Qualle nun am U-Boot verbrannt, ist ein Torpedo außer Kontrolle geraten? Man weiß es ebenso wenig wie die Antwort auf die Frage, wieso jemand "St. V. O." schreibt statt "StVO". Das steht für "Straßenverkehrsordnung" und nicht für: "Sankt Viktor Orban".

In einer Ferienanlage der 70er darf die Wasserrutsche nicht fehlen. Im Hintergrund sieht man das wohl größte Gebäude hier am Ort. Die Größe macht es nicht schöner. Inklusive zweier Knicks, die noch nicht mal symmetrisch sind und wirken, als sei der Bauplan bei Starkwind halb zusammengefaltet verwirklicht worden, ist die Bude 200 Meter lang.

Das ist nicht weiter schlimm. Auf Malle gibt es Übleres, und Prora wurde nie fertig.

Selbst der Parkplatz für die Bespaßungseinrichtung am Ostrand der Anlage ist "gebührenpflichtig". Wir können uns wegen dem heute nicht so sehr dichten Verkehr auch mal an die Seite quetschen zum Fotografieren, aber der gesamte "Ort" ist durchgehend "absolutes Halteverbot". Wir sind aber auch Verbrecher! wink

Das erste und einzige Schild, wo "bitte" draufsteht. Ansonsten lesen sich die Schilder hier zum Teil ... nun, einem Ostseebad in Schleswig-Holstein entsprechend. Unten rechts wird renoviert, das ist dasselbe Gebäude wie oben schon, andere Seite. Glaube aber keiner, die Farbkombination beige/braun würde sich ändern! Leute mit Farbenphobie müßten sich hier richtig wohl fühlen.

Eine Brücke überspannt den Gehweg zwischen den Gebäuden. Ich nehme mal an, links sind die Eingänge nicht im Erdgeschoß, sonst wäre die Brücke sinnlos. Moment. Man könnte doch auch links eine Treppe herunter und dann normal den Weg überqueren. Denn rechts sieht es nicht aus wie ein Eingang im 1. Stock, sondern nur wie eine Treppe nach unten ...

Hier die Konstruktion noch mal aus der Nähe:

Wenn ich die ganzen Schranken, Treppen, Ketten, Absperrungen sehe, frage ich mich schon: wie sieht es hier wohl mit Barrierefreiheit aus? Ich befrage die offizielle Webseite. Hier das Ergebnis, Stand heute (26.02.2017):

Suchbegriff auf der Website eingegeben Anzahl der Treffer und Inhalte
barrierefrei 0
behinderte

5

Der erste Treffer auf der Seite "Allgemeine Informationen" springt wieder zum Suchergebnis zurück. Der zweite Treffer "Allgemeine Informationen zu den Apartments" führt zu einer Informationsseite, dort findet sich lediglich der Satz: "Behindertenfreundliche Unterkünfte auf Anfrage". Weitere drei Links führen zu Informationsseiten über Apartments in div. Anlageteilen, die als "behindertenfreundlich" bezeichnet werden.
Ich kann mir vorstellen, dass Menschen mit bestimmten Behinderungen schon gerne wüßten, wie das im einzelnen gemeint ist.

allergie

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Der Link führt zu einem Angebot für Schlammpackungen.

 

nichtraucher

1

Dieser Treffer verlinkt auf die Seite "Allgemeine Informationen", man sieht den Teaser und kann auf "Mehr lesen" klicken. Dann ist man sofort wieder auf dem Suchergebnis und kann "Mehr lesen" klicken, bis der Arzt kommt.

Die grauen Häuser links und rechts sind offensichtlich viel neuer als der Rest der Anlage. Die zur Straße hin heruntergezogene und anscheinend fensterlose Dach- /Wandfläche dürfte auf den, der die Straße betreten darf muss, wie eine Art Bunker wirken. Einladend geht wirklich anders.


Tatsächlich. Von hier sieht es so aus, als sei eine Reihe Flachdach-Hochhäuser gesprengt worden und umgefallen. Die dunkelgrauen Flächen wirken weder edel noch pfiffig, sondern einfach nur ... deprimierend. Keine Fenster zur Straße. Nada. Niente. Nichts. Brrrr.

Erleichtert verlassen wir so schnell wie möglich diesen trübseligen Ort. Wir sind echt erstaunt, dass die Anlage schon Besucher hat (bei diesem Wetter an den Strand ist ja nicht für jeden was), aber eventuell gibt es ja auch Dauergäste oder Rentner, die hier ihre Zeit verbringen dürfen müssen.

Mit Verboten hat man es hier in der Gegend sowieso. Die Dämme stehen auf der anderen Straßenseite, das Schlammloch da unten ist wirklich nicht befahrbar. Aber ein Ausrufezeichen! Verboten! Verboten! Ich finde, der Schildermaler verdient unser aller Anerkennung. Eine Tüte Applaus, bitte.

Die erste Ente begeht nach dem Überflug über den Weißenhäuser Strand Suizid. Wahrscheinlich folgt der Erpel sogleich nach. Ich ging weg, das war einfach zu traurig.

Blick nach links, und hier ist der Ortseingang. Hinter der Kurve liegt Nordkorea ein deutscher Ferienort an der Ostseeküste. Der Grenzzaun zieht sich bis in den Ort hinein. Der geneigte Leser kann den Inhalt des Schildes am Tor sicher erraten: "Einfahrt freihalten! (Ausrufezeichen!) Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt! (Ausrufezeichen!)"

Ja, da macht der Urlaub doch gleich noch mal so viel Spaß: beige bemalter kaputter Eternit, "Verboten!", "Widerrechtlich!", "Kostenpflichtig!", "Kassenautomat!" sind Worte, die den Urlauber innerlich erwärmen. Manche jedenfalls. Ich persönlich kriege bei dieser Beballerung mit Vorschriften nur Blutdruck.

Eine Treppe führt auf den Deich, den man nicht betreten darf. Das Schild, dass man das nicht darf - wir erinnern uns: "Verboten!" - steht auf der anderen Straßenseite. Ich schreibe mal die Verwaltung dort an. Neben der Treppe ist definitiv noch Platz für viele Verbots- und Drohschilder.


Die "St. V. O." gibt einiges an Schildern her, und hier scheint ein Vertreter für Verkehrsschilder mit seinem Musterkoffer explodiert zu sein. Schaut mal bis zum Horizont, hier ist alles voll mit Blech am Stiel. Die Leitplanke schützt auch nicht den Verkehr, sie soll nur die verbrecherischen Falschparker an ihren Missetaten hindern. Das sahen wir ja schon am Strand, vgl. "Frust am Strand".

Kein Radfahrer auf der ganzen Welt wird hier absteigen. Es ergäbe sich übrigens aus dem Schild hinten rechts. Das ist nämlich ein gemeinsam genutzter Fuß- und Radweg. Wenn Fußgänger behindert würden, müßte der Radfahrer sowieso absteigen. Macht ja nichts, Hauptsache ein Schild aufgebaut.

Das soll es nun zu diesem niederschmetternden Ort gewesen sein. Kann sein, dass es hier im Sommer netter aussieht, kann auch nicht sein. Plattenbau mit schmuddeligen Fassaden in grottigem Beige sieht niemals wirklich einladend aus. Schranken an jeder Zufahrt und Verbote mit Ausrufezeichen wirken auch nicht gerade überfreundlich. Mich erstaunt, was sich der deutsche Urlauber noch alles gefallen läßt. Für die Übernachtung eines Hundes werden pro Nacht 12 Euro berechnet. Es gibt einen Hundestrand an der Anlage, scheinbar ist das aber auch Privatbesitz (sonst müßte die Zufahrt ja frei sein). Ich lasse das einfach mal so stehen. Mehr als zwei Hunde darf man auch sowieso nicht mitbringen.

Zu den anderen Preisen kann ich nichts sagen, weil wir eh nur mit dem Wohnmobil Urlaub machen und höchst selten mal auf ein Hotel ausweichen. In dieser Anlage gibt es ein Sonderangebot für Senioren, eine Woche kostet in der sog. "Saison C" (23.06.2017 bis 03.09.2017) pro Person 409,00 Euro. Die Preistabelle scheint ab März 2017 in nur noch zwei Preiskategorien aufgeteilt zu sein.

Ich war übrigens mal neugierig, und habe nach einer Woche Malle gesucht. Sonnenklar.tv ist der erste Treffer, nehmen wir das mal. Ich finde für eine Woche Halbpension Preise aufgerufen von 328 €, 331 €, 333 € usw. usw., alles inclusive Flug ab Hamburg oder Hannover. 

Wie geht denn das? Ich kann auf Malle in einem Plattenbau untergebracht werden und an der Ostseeküste auch. Auf Malle ist es wärmer und sonniger (meistens).


Wir fahren nun ein wenig weiter Richtung Strand. Da gibt es einen schönen alten Weg, der aber inzwischen schon stark zugewachsen ist. Diese Allee gehört leider zur Zufahrt zum Weißenhäuser Strand, und wie trübselig der ist, habe ich ja schon mal geschrieben ("Frust am Strand"). Die folgenden Bilder stammen allesamt von Angel.

Das Gras sieht flauschig aus, oder?

Je nach Bildausschnitt verändern sich die Farben. Im Hintergrund die Straße rechts führt nach Oldenburg in Holstein.

Hier das flauschige Gras noch einmal nah herangeholt.

Die Bäume sind alt, der Weg wird von Spaziergängern noch genutzt.

Im Hintergrund sieht man schon jemand auftauchen.

Die Bäume wirken dann mehrfach höher, als sie wirklich sind. Kann man bei solchen Aufnahmen mit dem Tele öfter feststellen!

Der Baum hier wird von uraltem Efeu umklammert.

Lage der Feriensiedlung Weißenhäuser Strand:


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