Der Autofriedhof von Châtillon in den belgischen Ardennen gehörte zu den bekanntesten sogenannten „Lost Places“ Europas. Über Jahrzehnte standen dort hunderte verlassene Fahrzeuge, die langsam vom Wald überwuchert wurden. Obwohl sich zahlreiche Legenden um den Ort rankten, konnte seine tatsächliche Entstehung inzwischen weitgehend aufgeklärt werden.
Ich bin am 01.05.2009 in einem Stück von Kiel nachts "durchgebrettert", damit ich um halb sechs früh mit den Aufnahmen beginnen konnte. Die Lage hat mir verraten, dass ich dann allerbestes Licht bekommen würde. Und so war es auch. 05:29 Uhr klickte die Kamera zum ersten Mal. Der Platz war damals noch recht unbekannt, und bis ich vor dem ersten Autowrack stand, wußte ich längst nicht sicher, ob sich die 800 km einfache Strecke auch gelohnt hätten ...
Der Mythos
Lange Zeit wurde behauptet, amerikanische Soldaten hätten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Fahrzeuge im Wald bei Châtillon zurückgelassen, weil der Rücktransport in die USA zu teuer gewesen sei. Diese Geschichte verbreitete sich über Bücher, Zeitschriften und das Internet und galt vielen Besuchern als Erklärung für die ungewöhnliche Ansammlung alter Autos.
Historische Recherchen ergaben jedoch, dass diese Version nicht zutrifft. Die meisten der dort gefundenen Fahrzeuge stammen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren und können daher nicht unmittelbar nach Kriegsende dort abgestellt worden sein.
Die tatsächliche Entstehung
Nach den heute bekannten Erkenntnissen handelte es sich nicht um einen militärischen Fahrzeugfriedhof, sondern um mehrere private Ablagerungsplätze in den umliegenden Wäldern. Fahrzeuge wurden dort über viele Jahre von Privatpersonen oder Schrotthändlern abgestellt, teilweise zur Ersatzteilgewinnung, teilweise einfach entsorgt. Mit der Zeit sammelten sich mehrere hundert Fahrzeuge an verschiedenen Stellen an. Die Autos standen nicht auf einem einzigen Gelände, sondern verteilt auf mehrere Waldlichtungen und Hänge rund um Châtillon. Dadurch entstand der Eindruck eines riesigen „Autofriedhofs“.
Die Fahrzeuge
Besonders faszinierend war die große Vielfalt der Fahrzeuge. Zu sehen waren unter anderem:
Opel Olympia
Volkswagen Käfer
Citroën DS
Peugeot 403 und 404
Renault Dauphine
Ford Taunus
Mercedes-Benz der 1950er- und 1960er-Jahre
zahlreiche amerikanische Limousinen
Die meisten Fahrzeuge waren bereits stark verrostet, einige bis zur Unkenntlichkeit zerfallen. Bäume wuchsen durch Motorhauben und Innenräume, Moos bedeckte Karosserien und viele Wagen waren von Farnen und Sträuchern überwuchert.
Ein Paradies für Fotografen
Ab den 1990er-Jahren entwickelte sich Châtillon zu einem der bekanntesten Ziele der Urban Exploration (Urbex). Fotografen aus ganz Europa besuchten den Wald, um die eindrucksvolle Verbindung aus Technik und Natur festzuhalten. Die Bilder erschienen in Fotobänden, Kalendern und Zeitschriften und machten den Ort weltweit bekannt.
Mit der steigenden Bekanntheit nahm jedoch auch der Vandalismus zu. Besucher entnahmen Embleme, Instrumente und andere Fahrzeugteile als Souvenirs. Scheiben wurden eingeschlagen, Türen entfernt und einige Fahrzeuge sogar angezündet. Dadurch verschlechterte sich der Zustand der Anlage innerhalb weniger Jahre erheblich.
Räumung
Da die Fahrzeuge erhebliche Umweltprobleme verursachten – unter anderem durch austretende Betriebsstoffe und Korrosion – ordneten die belgischen Behörden die Räumung an. Zwischen 2009 und 2010 wurden nahezu alle Fahrzeuge mit schwerem Gerät geborgen und verschrottet. Heute sind nur noch wenige Spuren im Wald erkennbar.
Bedeutung
Obwohl der Autofriedhof verschwunden ist, zählt er bis heute zu den berühmtesten Lost Places Europas. Er wurde zum Sinnbild für den langsamen Verfall technischer Kulturgüter und zeigte eindrucksvoll, wie die Natur vom Menschen geschaffene Objekte zurückerobert.
Zugleich ist Châtillon ein Beispiel dafür, wie sich Legenden verselbstständigen können: Die populäre Geschichte vom „amerikanischen Soldatenfriedhof für Autos“ erwies sich bei genauer historischer Untersuchung als nicht haltbar. Die Faszination des Ortes beruhte letztlich weniger auf seiner tatsächlichen Entstehung als auf den eindrucksvollen Bildern verwitternder Fahrzeuge inmitten eines stillen Waldes.
Ja, auf alle Fälle! Ich war nach der Anreise (Nachtfahrt) und etwa 10 Stunden vor Ort komplett erledigt. Ich bin dann von dort noch bis nach Luxemburg in ein Hotel gefahren und hab fast 24 Stunden durchgeratzt ... hat sich gelohnt! Für die Aufnahmen habe ich extra das damals neue Sigma 10-20 mm geholt, lohnte sich auf alle Fälle auch.
Viel später meldete sich die AutoBILD Klassik und fragte höflich an, ob sie Bilder haben könnten. Das Honorar hat mein Objektiv dann nachträglich bezahlt, meine Reise und das Hotel. Und der Platz war einmalig schön. Kein Vergleich zu den anderen Plätzen, einfach anders. Deswegen ist das einer unserer größten Bildergalerien, und auf den Festplatten liegen noch tonnenweise andere Bilder.