U 995 ist das weltweit letzte erhaltene deutsche U-Boot des legendären Typs VII C, dem meistgebauten U-Boot-Typ der Geschichte. Seine Historie erstreckt sich von einer dramatischen Frontzeit im Zweiten Weltkrieg über den Dienst in einer fremden Marine bis hin zu seiner heutigen Rolle als meistbesuchtes Mahnmal an der Ostsee.
Wir haben am 12.01.2014 bei ausgesprochen wechselhaftem Wetter das Marine-Ehrenmal und auch das U-Boot besucht. Unser Glück hat uns an diesem Tag für unser Durchhaltevermögen ganz besonders belohnt: nach heftigen Regengüssen kam die Sonne durch und präsentierte uns dramatisches Licht und mehrere Regenbögen. Wir warn genau in den zehn Minuten oben auf der Aussichtsplattform, als sich dieses Wetter abspielte.
Geschichte von U 995
1. Bau und Indienststellung (1941–1943)
Das Boot wurde mitten im Zweiten Weltkrieg am 14. Oktober 1941 von der Kriegsmarine in Auftrag gegeben. Die renommierte Hamburger Werft Blohm & Voss übernahm den Bau, legte das Schiff im November 1942 auf Kiel und feierte im Juli 1943 den Stapellauf. Am 16. September 1943 wurde U 995 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Walter Köhntopp offiziell in Dienst gestellt. Es handelte sich um die modifizierte Variante VII C/41, die eine verstärkte Flak-Bewaffnung und eine höhere Tauchtiefe besaß. [1, 5, 6, 7, 8]
2. Der Kriegseinsatz im Nordmeer (1944–1945)
Nach der Ausbildungsphase in der Ostsee verlegte U 995 im Frühjahr 1944 an die Front nach Norwegen. [5]
- Das Einsatzgebiet: Das Boot operierte fortan im eiskalten Nordmeer und der Barentssee, um alliierte Nachschub-Konvois zu jagen, die die Sowjetunion versorgten. [9, 10]
- Die Feindfahrten: Insgesamt absolvierte die Besatzung neun gefährliche Feindfahrten. Dabei versenkte das Boot fünf Schiffe. [1, 3, 10]
- Überleben gegen alle Widrigkeiten: Die Einsätze waren von extremem psychischem Druck, Luftangriffen und Wasserbomben geprägt. Mehrfach kehrte das Boot schwer beschädigt in norwegische Stützpunkte zurück. Bei Kriegsende am 8. Mai 1945 lag U 995 im norwegischen Trondheim und entging der Selbstversenkung (Aktion Regenbogen). [7, 9, 11, 12, 13]
3. Unter norwegischer Flagge: Das Leben als „Kaura“ (1947–1965)
Nach dem Krieg beanspruchte die Königliche Norwegische Marine das intakte Boot als Kriegsbeute. Nach einer umfassenden Instandsetzung und Modernisierung wurde es im Dezember 1952 unter dem Namen „Kaura“ (NATO-Kennung: S-309) neu in Dienst gestellt. Für die Norweger leistete das ehemalige Feindboot wertvolle Dienste als Küstenverteidigungs- und Schulboot und nahm an zahlreichen NATO-Manövern teil. Erst im Jahr 1965 stellte die norwegische Marine das Boot endgültig außer Dienst. [2, 13, 14, 15, 16]
4. Die Rückkehr nach Deutschland und das Museum in Laboe (seit 1965)
Als Zeichen der deutsch-norwegischen Versöhnung bot Norwegen das Boot der Bundesrepublik Deutschland an – symbolisch für den Preis von einer einzigen Deutschen Mark. Die Bundesmarine lehnte aus Budgetgründen ab, doch der Deutsche Marinebund (DMB) sprang ein. [14, 15, 17]
Der Hochseeschlepper Fairplay II brachte das Boot im Oktober 1965 zurück nach Kiel. Nach jahrelanger, aufwendiger Restaurierung, bei der das Boot weitgehend in den deutschen Zustand von 1945 zurückversetzt wurde, folgte am 13. März 1972 der spektakuläre letzte Akt: Zwei Schwimmkräne hoben den 67 Meter langen Koloss direkt auf den Strand vor dem Marine-Ehrenmal in Laboe. [9, 15, 18, 19]
Heute dient das Technische Museum U 995 als historisches Denkmal. Jährlich besichtigen hunderttausende Menschen das Innere, um die bedrückende, lebensgefährliche Enge nachzuempfinden, in der einst über 50 Männer wochenlang unter Wasser gefangen waren. [7, 20, 21]
[16] https://mk-u995.de

Geschichte des Marine-Ehrenmals
Das Marine-Ehrenmal in Laboe ist eines der markantesten Wahrzeichen der Kieler Förde. Seine Geschichte spiegelt auf dramatische Weise den Wandel Deutschlands im 20. Jahrhundert wider – von der kaiserlichen Sehnsucht nach Seemacht über die NS-Propaganda bis hin zu einer internationalen Friedens- und Gedenkstätte.
1. Die Idee und der Bau (1925–1936)
Nach dem Ersten Weltkrieg gab es für die über 34.000 auf See gebliebenen deutschen Marinesoldaten keinen physischen Ort des Gedenkens. [4, 5]
- Der Impuls: Im Jahr 1925 schlug der ehemalige Obermaat Wilhelm Lammertz dem Deutschen Marinebund vor, eine zentrale Gedenkstätte zu errichten. [3, 4]
- Die Grundsteinlegung: Am 8. August 1927 wurde der Grundstein auf dem Gelände eines alten Panzerturms der Kieler Hafenverteidigung gelegt. Der Architekt Gustav August Munzer entwarf den 72 Meter hohen, expressionistischen Turm, dessen Form oft an einen Schiffssteven, einen Wikingerbund oder einen U-Boot-Turm erinnert – laut Architekt war die abstrakte Form jedoch bewusst offen gewählt. [1, 3, 4, 6, 7]
- Die Einweihung im Nationalsozialismus: Die Weltwirtschaftskrise stoppte den Bau zeitweise. Erst am 30. Mai 1936 wurde das Ehrenmal im Beisein von Adolf Hitler feierlich eingeweiht. Die Nationalsozialisten nutzten das Monument stark für ihre eigene Propaganda und verknüpften das Totengedenken mit dem revanchistischen Wunsch nach einer „Wiederauferstehung“ der deutschen Flotte. [2, 3, 8, 9, 10]
2. Nachkriegszeit und Rettung (1945–1954)
Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten die alliierten Truppen die Anlage. Da das Ehrenmal von den Nationalsozialisten militaristisch instrumentalisiert worden war, stand im Raum, den Turm als Symbol des preußischen Militarismus zu sprengen. [11]
- Die Wende: Da das Bauwerk jedoch primär ein Grabmal für auf See Vermisste und kein reines Zweck-Militärdenkmal war, sahen die Alliierten von einer Zerstörung ab.
- Die Rückgabe: Am 30. Mai 1954 wurde das Ehrenmal offiziell an den neu gegründeten Deutschen Marinebund zurückgegeben. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Gedenken auch auf die gefallenen Angehörigen der Kriegsmarine des Zweiten Weltkriegs ausgeweitet. [12, 13, 14]
3. Der Wandel zum Friedensmahnmal (seit 1996)
Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich das Selbstverständnis des Ehrenmals grundlegend. Weg von der nationalen Heldenverehrung, hin zur internationalen Mahnung für den Frieden. [9, 10, 11]
- Die Umwidmung 1996: Im Jahr 1996 wurde das Ehrenmal offiziell neu deklariert. Es ist heute eine internationale Gedenkstätte für die auf den Meeren gebliebenen Seeleute aller Nationen und ein Mahnmal für eine friedliche Seefahrt auf freien Meeren. [1, 12, 13, 15]
- Das Ensemble heute: Neben dem begehbaren Turm (der per Fahrstuhl oder über 341 Stufen eine weite Sicht über die Ostsee bietet) umfasst die Anlage eine unterirdische, feierliche Gedenkhalle, einen breiten Innenhof und eine historische Ausstellung zur Geschichte der Seefahrt. Direkt am Strand davor liegt seit 1972 das Museums-U-Boot U 995. [1, 10, 16, 17, 18]
[12] https://www.ndr.de























































































































