Wenn wir auf eine Tour gehen, unterscheidet sich der Aufwand schon sehr - je nachdem, ob wir zwei, vier oder sechs Wochen unterwegs sein möchten. Wir planen daher ziemlich viel im Voraus, bleiben aber trotzdem sehr spontan. Wie gut, dass Balou uns begleitet und mit guter Laune hilft. Am Steuer ablösen klappt ja noch nicht hundertprozentig fehlerfrei.
Wir haben einen Ahorn Canada AS ("AS" steht für: Alkoven mit Stockbetten hinten) auf der Basis eines Renault Master gekauft. Das Fahrzeug ist auf 4 Tonnen aufgelastet und hat hinten zusätzliche Luftfedern. Mit mehr als einer Dreivierteltonne Zuladung sind wir auf der sicheren Seite, was die zulässige Gesamtmasse angeht. Mit ein paar Einschränkungen kann man gut leben.
Wohnmobil und Navi
Auf dem Stellpatz
Einmal im Jahr ist Hauptuntersuchung (bis das Fahrzeug sieben Jahre alt ist, alle zwei Jahre), einmal Dichtigkeitsprüfung. Alle zwei Jahre ist eine Inspektion fällig, bzw. nach je 24.000 Kilometern (kommt drauf an, was man schneller erreicht). Alles ist ungefähr jeweils im Juli fällig. Das ist praktisch, weil wir ungern in den Ferien unterwegs sind. Die Termine notfalls in Absprache mit der Werkstatt etwas vorziehen.
Grundsätzlich regelmäßig nach den Reifen sehen (Schäden, Luftdruck usw.). Korrekter Luftdruck ist extrem wichtig, weil ein Reifen sonst völlig überhitzt und sich auflöst. Ein Wohnmobil mit platzendem Reifen abfangen, da braucht man ziemlich viel Glück.
Regelmäßig auch bei diesem sehr wartungsarmen Fahrzeug unter die Haube sehen und auch nach Ölstand schauen. Auch mal unter das Fahrzeug krabbeln und nach sich lösenden Teilen gucken. Wir haben einmal nur durch viel Glück nicht den Auspuff abgerissen, denn eine schalldämpfende Gummiverbindung zwischen Endrohr und Karosserie (sog. "Silentblock") ist gerissen, das Rohr hing Millimeter über der Straße. Also immer auch bei einem sehr neuen Fahrzeug Augen auf!
Versicherungsschutz prüfen und ggf. anpassen. In manchen Ländern sagt die Versicherung "kein Schutz" (steht auf der Grünen Karte).
Über 3,5 Tonnen braucht ihr in Frankreich beispielsweise drei besondere Aufkleber ("Toter Winkel") am Fahrzeug, in den Umweltzonen eine besondere Plakette. Besorgt euch das, was euer Zielland verlangt, und hofft nicht auf Nachsicht in der Kontrolle. Es setzt fast immer ein saftiges Bußgeld.
Wir haben für die Navigation ein etwas älteres Tablet, wo eigentlich nur noch "Magic Earth" drauf läuft. Wir benutzen fast nur Offline-Karten. Das Tablet nehmen wir also regelmäßig mit ans WLAN, und aktualisieren rechtzeitig vor Abfahrt, aber so spät wie möglich, auf die allerneuesten Karten des Reisegebiets. Die Karten sind ein paar Gigabyte groß, unterwegs solltet ihr dann am besten zum Laden einer Karte ein WLAN benutzen. Einloggen muss man sich dafür nicht, ein VPN braucht man also eher nicht.
Im Reisegebiet und unterwegs bevorzugen wir zum Stöbern und Gucken auch klassische Papierkarten oder einen Straßenatlas. Auf dem Tablet die Karte dauernd schieben und Details verlieren beim Zoomen ist nicht so prall, aber letztlich ist das Geschmackssache. Den Straßenatlas holen wir auch nicht unbedingt neu in der aktuellsten Fassung, sondern vielleicht bei medimops für schmales Geld und paar Jahre alt.
Gasflaschen haben wir insgesamt vier Stück (davon passen wie üblich zwei ins Wohnmobil), so dass wir eine Auslandsreise immer mit zwei randvollen Flaschen starten. Außerhalb Deutschlands gibt es andere Flaschen, und das Füllen mag da und dort teuer oder tricky sein. Die halbvollen Gasbuddeln verbrauchen wir hier im Lande, da wir dann einfach den nächsten Baumarkt anfahren können.
Werkzeug ist auch bei einem neuen Fahrzeug nicht ganz entbehrlich. Irgendwas lockert sich doch einmal. Wir haben die Kiste entrümpelt, es ist hoffentlich noch alles Notwendige dabei! Schlauchschellen, paar Holzschrauben, Dichtband, Draht, Panzertape, Sicherungen und Glühlampen natürlich auch.
Eigenen Wasserschlauch für die Betankung mitnehmen, 10 Meter haben uns immer gereicht. Auf die Adapter für den Wasserhahn achten! Wir haben noch den "Wasserdieb", der an uralten Hähnen ohne Gewinde funktioniert. Klaut bitte keine Gardena-Adapter auf dem Stellplatz, die vielleicht schon montiert sind.
Stromkabel sind oft nur als CEE-Version erlaubt. Solange es noch Plätze mit normalen Schuko-Dosen gibt, haben wir zwei Kabel plus Adapter dabei.
Bei der Beladung nicht nur auf das Gesamtgewicht achten! Wenn beide Achsen gleichmäßig belastet sind, wäre das ideal. Wiegt einfach mal ein urlaubsfertiges Wohnmobil, z.B. bei Raiffeisen. Die schweren Gegenstände (Konserven, Flaschen, ...) gehören nach unten und zwischen die Achsen. Links /rechts sollte auch ungefähr gleich sein. Die Überschreitung einer Achslast wirkt sich auf die Haltbarkeit der Reifen aus, abgesehen davon fährt sich das Fahrzeug dann nicht mehr stabil. Also lasst aus der Hackgarage alles Schwere weg, schlimm genug, dass ganz weit hinten die E-Bikes stehen und mit dem großen Hebelarm wirken.
Balou in Frankreich
Klamotten und Lebensmittel
Klamotten - die Menge müsst ihr selbst wissen. Wir haben Vorrat für vier Wochen und steuern bei Bedarf einen Campingplatz zum Waschen und Trocknen an. "Rei in der Tube" als Behelfs-Waschmittel ist auch nett, sowie eine Schüssel zum Wäschewaschen. Eine Wäscheleine ist vielleicht nicht verkehrt, oft müssen Handtücher oder Hundedecken draußen getrocknet werden. Klammern nicht vergessen.
Je nach Reiseziel braucht man auch mal was wasserdichtes /wärmendes. Dran denken, dass der Platz zum Trocknen begrenzt ist, normaler Weise nur die Duschkabine (zum Glück bei uns super belüftet!).
Lebensmittel sind natürlich an Bord. Wir versuchen vorher unseren Vorrat im Haus schon deutlich zu reduzieren, denn erstmal passt nicht alles rein und zweitens will ich im Urlaub nicht unbedingt den heimischen Krempel weiter mampfen. Für eine Woche ist was im Kühlschrank. In anderen Ländern gibt es manchmal kein vernünftiges (aus deutscher Sicht 😉) Brot, vielleicht nehmt ihr ja auch haltbares Schwarzbrot /Pumpernickel mit?
Konservendosen braucht man nicht sehr viele. Wir hatten immer dies und das dabei und am Ende luden wir doch das meiste wieder aus. Man braucht ganz sicher ein paar gute Fertiggerichte, wenn man wirklich nicht mehr kochen /ausgehen möchte.
Unterwegs im Stau Kohldampf, kleine Knabbereien helfen da.
Kaffee ist unterwegs immer dabei, wir holen ganze Bohnen (halten einfach den Geschmack) und mahlen jeden Tag frisch. Dann per Hand aufgebrüht und in die Thermoskanne. Die Kaffeemühle ist akkubetrieben. Filtertüten im Ausland zu bekommen ist vielleicht tricky. Nach der Reise wird der Kaffee zu Hause aufgebraucht und nächste Tour mit frischer Ladung gestartet.
Trinkwasser ist auch so ein ewiges Streitthema unter Wohnmobilisten. Wir nutzen den Tankinhalt zum Kochen, für den Kaffee, zum Waschen und Duschen. Zum Trinken "pur" schmeckt es nicht allzu gut, aber immerhin kann es im gut gepflegten Tank nicht verkeimen oder an Algenbildung leiden. Wenn wir versorgen können und der Rest noch reicht, wird das letzte Viertel für eine Extra-Dusche verwendet. Wir versorgen rechtzeitig, möchten aber möglichst viel "neues" Wasser im Tank haben.
Medikamente besorgt man sich am besten für die geplante Reisedauer plus ein oder zwei Wochen. Vom Arzt einen Medikationsplan mitzunehmen, schadet nicht, besonders wenn an der Grenze die bunten Pillen argwöhnisch vom Grenzschützer beäugt werden. Möglichst dunkel, möglichst kühl aufbewahren. Die Dosen auch gepolstert unterlegen, damit das dauernde Gerüttel die Tabletten nicht zerbröselt.
Sonnenbrille in aktueller Gläserstärke ist nützlich, die Dinger zum Aufklipsen haben zwei weitere Oberflächen für Spiegelungen - das finde ich nicht so gut. Ersatzbrille mitführen, besonders wenn die Brille im Führerschein eingetragen ist.
Dokumente, Reisedokumente
Ausweis, u.U. Paß, Führerschein, Fahrzeugschein, Grüne Karte (ja, auch wenn man die offiziell nicht mehr braucht), dann Europäischer Unfallbericht, Angaben zur eigenen Versicherung (am besten eine Visitenkarte für die Schadensregulierung), dann noch diverse Unterlagen zum Fahrzeug (kann sein, dass was auf Garantie repariert werden muss, dann will die Werkstatt das Inspektionsheft sehen).
Kontaktdaten /Mitgliedskarte von eurem Automobilclub. Kümmert euch vor der Reise darum, wie die Partnerclubs heißen und wie man sie erreicht. All diese Kontaktdaten gehören aufgeschrieben vorne in die Fahrzeugunterlagen. Da gehört, wenn vorhanden, auch die Rettungskarte hin. Die kann man auch selbst anfertigen.
Werdet ihr mit eurem Fahrzeug mautpflichtig sein? Dann kümmert euch rechtzeitig um eine Maut-Lösung (Box), z.B. beim ADAC. Ansonsten müsst ihr halt die Autobahnen und Mautstrecken meiden, oder vor Ort bar / mit Karte zahlen. In den Niederlanden z.B. wird man seit 2026 über 3,5 Tonnen mautpflichtig, man kann sich aber mit einem Wohnmobil davon befreien lassen. Habe ich gemacht, die Infos dazu gibt's beim ADAC.
Fährtickets bekommt man heute i.d.R. digital. Ich habe die trotzdem ausgedruckt oben in der Ablage, dann halte ich am Check-In-Schalter nicht wild scrollend den Betrieb auf bei der Suche.
Kopien aller wichtigen (Reise-) Dokumente haben wir dabei, außerdem laden wir Scans in eine eigene Cloud hoch.
Jeder Erwachsene sollte mindestens zwei Geld- /Debit- /Kreditkarten dabei haben, plus eine kleinere Menge Bargeld. Bei Kreditkarten daran denken, sich mal wieder die selten genutzte PIN einzuprägen. Und nachsehen, ob diese Karte überhaupt im Zielland akzeptiert wird!
Balou im Schnee
Mit Hund auf Tour
Eure Flauschis müssen nur wenig Gepäck dabei haben, aber so wenig ist das nun auch wieder nicht. Diese Liste hier ist nur ein Anfang:
EU-Heimtierausweis bei Auslandsreisen, und nachsehen, ob der Hund - wie in Schweden! - bei der Einreise anzumelden ist.
Hundefutter ist ein großes Thema, weil der Hund natürlich "sein" Futter haben will (Balou jedenfalls) und andererseits der Riesensack Futter kaum mitzuschleppen geht. Wir versuchen also Balou schon vorab von Futter zu überzeugen, das handlicher verpackt ist und unterwegs zu bekommen ist. Für den Hund haben wir immer einen Extra-Kanister Trinkwasser, falls doch mal was mit der Pumpe oder dem Tank sein sollte. Unterwegs nutzen wir jede Gelegenheit, um ihm frisches Wasser anzubieten.
Für den Hund sind ein paar Mikrofaser-Tücher nützlich, dann sein Hundebett oder seine Decke, dazu etwas Spielzeug. Leinen, Halsband, Geschirr nicht vergessen. Wir haben noch eine sehr lange Schleppleine, die liebt der Hund (in vielen Ländern und zu einigen Jahreszeiten sind freilaufende Hunde nicht gern gesehen).
Ein GPS-Tracker für den Hund ist sehr empfehlenswert. Wir haben ein Modell von Tractive, das ihn immer zuverlässig ortet und auch ein paar Zusatzinfos bietet. Damit ist eine Live-Ortung jederzeit möglich. Ladet den Akku vom Tracker öfters als zu Hause. Geht der Hund stiften, nutzt euch ein Tracker mit nur noch 5% Ladung auch nichts mehr!
Multimedia, Lesestoff
Wir haben Bücher als E-Book dabei, und den Zugang zum Shop natürlich auch. Ein Regentag stört uns nicht!
Für unseren Fernseher haben wir auf eine Satellitenschüssel verzichtet. Wir streamen über Internet, wenn wir wirklich mal was sehen wollen, ansonsten haben wir eine kleine Box mit USB-Sticks und ausgewählten Serien dabei.
Als Übersetzer-App haben wir Microsoft Translator auf den Smartphones, und wir haben die benötigten Sprachpakete schon installiert.
Nehmt unterwegs kostenlose lokale Anzeigenblätter mit, wo ihr sie kriegen könnt - sind sehr schön zum Weiterlernen geeignet.
Eine Powerbank ist für das Smartphone und andere Geräte nützlich. Ladet sie während der Fahrt immer voll.
Wir haben eine Drohne mit drei Akkus dabei. Informiert euch über Flugverbotszonen und haltet die Vorschriften peinlich genau ein. In Polen z.B. darf in der Nähe der Grenze zu Belarus nicht mehr geflogen werden, die nehmen das super ernst und sind da spaßbefreit,
Habt die passenden Kabel dabei. Und rechtzeitig vorher dafür sorgen, dass euer Fahrzeug Steckdosen hat, wo sie gebraucht werden.
Wir haben ein Notebook dabei und eine externe Festplatte. Dahin wandern mehrmals die Woche die aufgenommenen Fotos und Videos. Die Festplatte kann im Wohnmobil auch ziemlich versteckt aufbewahrt werden, für den Fall der Fälle. Auf dem Notebook ist außer dem Betriebssystem nichts, und schon gar keine gespeicherten Kennwörter.
Reisetagebuch
Wir führen ein Reisetagebuch mit Stichworten. Dann können wir Fotos besser zuordnen. Seit neuestem werden wir versuchen, dieses CMS dafür zu benutzen. Man kann neue Beiträge nämlich wunderbar unterwegs mit der Spracherkennung in den Editor diktieren. Die bleiben dann natürlich erstmal unveröffentlicht ... 😉
Was auch nützlich ist, könnte ein GPS-Recorder sein, der fortlaufend eure Positionen als Track aufzeichnet. Das hängt aber auch davon ab, ob die Daten nur lokal gespeichert sind oder der Anbieter der App die noch vermarkten will. Wir konnten damit immer schön Fotos nachträglich mit Geo-Tags versehen, auch wenn die Kamera das gar nicht konnte.
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