Eine kleine Runde durch Wismar
Eine kleine Runde durch Wismar

Wismar ist eine der vielen Hansestädte. Wir sind da auf der Durchreise immer wieder einmal angehalten, aber man sollte schon erwähnen: mit dem Wohnmobil macht das kaum Spaß. Wismar wäre mit "wohnmobilfreundliche Stadt" leider nicht richtig beschrieben. Im Stadtbereich haben wir keine Parkplätze gefunden, wo man mit dem Wohnmobil tagsüber parken könnte (von Übernachtung ganz zu schweigen). Alle Parkplätze, die wir uns ansahen, haben entweder ein ausdrückliches Schild "Wohnmobile verboten", oder "nur PKW", oder eine Schranke. Damit ist Parken und dann auch eine Übernachtung höchstens auf dem einzigen Wohnmobilstellplatz möglich (Schiffbauerdamm - der ist ganz nett, aber enge Stellplätze). Wir haben seinerzeit inmitten von Brachfläche im Hafengebiet geparkt, ordentlich auf einem Seitenstreifen, und trotzdem ein Ticket bekommen. Weiter außerhalb gibt es sicher weitere Möglichkeiten, aber eben mehrere Kilometer entfernt.

Unser Rundgang führt in etwa 3 bis 4 Stunden durch die UNESCO-Welterbe-Altstadt und umfasst rund 4 Kilometer. Er verbindet die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit einigen weniger bekannten Ecken und eignet sich hervorragend für einen ersten Besuch.

Wir starteten am Marktplatz Wismar, einer der größten mittelalterlichen Marktplätze Norddeutschlands. Seit Jahrhunderten schlägt hier das wirtschaftliche und politische Herz der Stadt. Besonders sehenswert sind die Renaissance-Wasserkunst von 1602, das klassizistische Rathaus, prächtige Giebelhäuser, das Bürgerhaus „Alter Schwede“ von etwa 1380 – eines der ältesten erhaltenen Bürgerhäuser Wismars. Die hervorragend erhaltene Altstadt gehört seit 2002 gemeinsam mit Stralsund zum UNESCO-Welterbe. 

Die Restaurierung der zu DDR-Zeiten völlig heruntergekommenen Gebäude wirkt gelungen.

Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich der mächtige Turm der ehemaligen Marienkirche. Die Kirche selbst wurde nach den schweren Kriegsschäden von 1945 in den 1960er Jahren abgetragen. Erhalten blieb nur der etwa 80 Meter hohe Turm, der eindrucksvoll zeigt, welche Größe die Backsteinkirchen der Hansezeit einst besaßen. Vor dem Turm sind heute die Grundmauern der Kirche sichtbar.

Durch die Georgenstraße erreicht man den Fürstenhof. Das Renaissancegebäude war Residenz der mecklenburgischen Herzöge und gilt als eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke Norddeutschlands. Besonders schön sind der reich verzierte Innenhof, die Terrakottafassade und die Verbindung von Gotik und Renaissance.

Weiter geht es zur St.-Georgen-Kirche mit Aussichtsplattform. Wir sind da nicht hochgeklettert 😉 (Aufzug war außer Betrieb). Die riesige Backsteinkirche wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und nach jahrzehntelanger Restaurierung wieder aufgebaut. Tipp: Mit dem Aufzug gelangt man auf die Aussichtsplattform in rund 35 Metern Höhe. Von dort bietet sich ein hervorragender Blick über Altstadt, Hafen und Ostsee.

Nun ein paar Meter weiter zur Heiligen-Geist-Kirche Wismar und ist im Vergleich zu den anderen eben genannten Kirchen recht klein. Sie gehörte ursprünglich zu einem mittelalterlichen Hospital. Besonders eindrucksvoll ist die bemalte Holzdecke sowie der historische Hospitalhof mit seinen kleinen Wohnungen für Bedürftige. Diese Anlage vermittelt noch heute einen Eindruck mittelalterlicher Sozialfürsorge.

Die Lübsche Straße war einst die wichtigste Handelsstraße der Stadt. Hier finden sich zahlreiche Kaufmannshäuser, gotische Giebel, Innenhöfe und ein paar kleine Geschäfte und Cafés. Guckt auch mal in die schmalen Gänge und Höfe – viele sind öffentlich zugänglich (nicht alle! Achtet auf entsprechende Schilder!).

Die Nikolaikirche beeindruckt durch ihre Höhe von rund 37 Metern im Mittelschiff.  Sie war die Kirche der Seefahrer und Kaufleute. Sehenswert waren für uns der gewaltige Innenraum, die barocken Altäre und zahlreiche meist überaus detaillierte Schiffsmodelle als Votivgaben.

Von dort wieder Richtung Alter Hafen. Hier lagen damals die Handelsschiffe der Hanse. Heute bestimmen Traditionssegler, Fischkutter und modernere Bauten das Bild. Im Hafenbereich ist kaum noch ein altes Gebäude stehengeblieben, höchstens der Alte Zollspeicher und ein oder zwei Häuser am Baumhausplatz. Mit Glück und je nach Jahreszeit bekommt man noch die Poeler Kogge (Nachbau) zu sehen. Es finden sich noch weniger alte Hafenkräne, dafür aber zahlreiche Fischrestaurants. Ein Fischbrötchen auf einer der Hafenbänke gehört fast schon zum Pflichtprogramm.

Am Hafen steht das sogenannte Baumhaus. Es diente früher der Hafenaufsicht. Der Name stammt von den mächtigen Holzstämmen („Bäumen“), mit denen früher die Hafeneinfahrt abgesperrt werden konnte. Dort liegt auch der Lotsenschoner Atlanta. 

Auf dem Rückweg liegt das ehemalige Zeughaus. Es entstand während der schwedischen Herrschaft über Wismar und erinnert daran, dass die Stadt von 1648 bis 1903 zu Schweden gehörte.

Das Schabbell schließlich ist heute das Stadtgeschichtliche Museum und in einem Renaissance-Bürgerhaus untergebracht.

Kleine Galerie:

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