Zeche Zollverein und Kokerei
Zeche Zollverein und Kokerei

Die Zeche Zollverein in Essen-Katernberg ist eines der bedeutendsten Industriedenkmäler Europas. Sie steht zugleich für den Aufstieg des Ruhrgebiets zum industriellen Zentrum Deutschlands und für den späteren Strukturwandel vom Bergbau- zum Kultur- und Dienstleistungsstandort. Zwischen 1847 und 1986 wurden hier rund 240 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert. Zeitweise arbeiteten bis zu 8.000 Menschen gleichzeitig auf der Zeche. 

Die Geschichte begann mit dem Duisburger Unternehmer und Industriepionier Franz Haniel. Er ließ 1847 im Essener Norden, westlich des damaligen Dorfes Katernberg, den ersten Schacht abteufen. Der Name „Zollverein“ geht auf den Deutschen Zollverein von 1834 zurück. Dieser schuf einen weitgehend zollfreien deutschen Binnenmarkt und erleichterte damit auch den überregionalen Absatz von Kohle und Koks. Haniel benannte seine Zeche nach diesem für die industrielle Entwicklung wichtigen Zusammenschluss. 1851 wurde erstmals Kohle gefördert – zunächst etwa 13.000 Tonnen im Jahr.

Der Standort war ausgesprochen günstig: Unter dem Essener Norden lagen mächtige Fettkohlenflöze, die für die Kokserzeugung und damit für die Eisen- und Stahlindustrie besonders wertvoll waren.

In den folgenden Jahrzehnten wurde Zollverein erheblich erweitert. Aus der ursprünglichen Anlage entstanden mehrere Schachtanlagen. Um 1900 arbeiteten bereits 5.355 Bergleute auf drei Schachtanlagen. Zollverein gehörte damit zu den größten Bergwerken des Ruhrgebiets. Die Entwicklung verlief parallel zum gewaltigen Aufstieg der Ruhrindustrie:

Kohle → Koks → Eisen und Stahl → Maschinenbau und Verkehr

Die Zeche war also nicht isoliert zu betrachten. Ihre Kohle versorgte die wachsende Eisen- und Stahlindustrie und war damit Teil eines eng miteinander verbundenen industriellen Systems.

Eine entscheidende Zäsur kam 1926. Zollverein wurde Teil der Vereinigten Stahlwerke AG, damals eines der größten Montanunternehmen Europas. Der Konzern wollte die zahlreichen älteren Schächte rationalisieren und die Förderung auf einer modernen Zentralschachtanlage konzentrieren. Daraus entstand das berühmteste Bauwerk Zollvereins: Schacht XII. Zwischen 1928 und 1932 wurde die neue Anlage errichtet. Die Architekten waren Fritz Schupp (1896–1974) und Martin Kremmer (1894–1945).

Ihre Aufgabe war ungewöhnlich anspruchsvoll: Nicht einfach eine weitere Zechenanlage sollte entstehen, sondern eine vollständig rationalisierte industrielle Großanlage. Das Ergebnis war Schacht XII. Am 1. Februar 1932 begann auf Schacht XII die Förderung. Die Anlage war damals die größte und leistungsfähigste Steinkohlenförderanlage der Welt. Sie war nach modernen Prinzipien der Rationalisierung organisiert. Produktionsabläufe sollten möglichst geradlinig und mit möglichst wenig manueller Arbeit erfolgen. 

Das berühmte Doppelbock-Fördergerüst wurde zum Wahrzeichen der Zeche. Die Architektur ist dabei kein bloßer „schöner Rahmen“ für die Technik. Die Gebäude wurden nach den Produktionsabläufen angeordnet:

Förderung → Brechen → Sortieren → Waschen → Transport

Die charakteristischen Backsteinfassaden, Stahlkonstruktionen und großen Fensterflächen folgten der Neuen Sachlichkeit. Deshalb wird Zollverein XII häufig als herausragendes Beispiel moderner Industriearchitektur bezeichnet. Die Zeche war damit gleichzeitig Kraftwerk, Fabrik, Verkehrs- und Förderanlage und Verwaltungsstandort. Die Architektur machte die technische Funktion sichtbar.

Die Dimensionen von Zollverein XII waren gewaltig. Ursprünglich konnten etwa 12.000 Tonnen Kohle täglich gefördert werden. Später wurde die Anlage noch weiter optimiert. 1972 erreichte Schacht XII seine endgültige Tiefe von etwa 1.000 Metern. Zu dieser Zeit wurden täglich mehr als 23.000 Tonnen Rohkohle gefördert.  Zwischen 1851 und 1986 wurden auf Zollverein insgesamt rund 240 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert.

Mehr als 600.000 Menschen arbeiteten im Laufe der gesamten Geschichte irgendwann auf dem Bergwerk. Zur Kohleförderung kam später die Verarbeitung zu Koks. Von 1957 bis 1961 wurde westlich von Schacht XII nach Plänen von Fritz Schupp die Kokerei Zollverein errichtet. Sie ging am 12. September 1961 in Betrieb. Die Kokerei bestand vereinfacht aus zwei Bereichen:

  1. „Schwarze Seite“:
    Hier wurde Kohle bei etwa 1.250 °C in den Koksöfen erhitzt. Dabei entstanden Koks, Kokereigas und verschiedene Nebenprodukte.
  2. „Weiße Seite“:
    Die Nebenprodukte wurden weiterverarbeitet, unter anderem zu Ammoniak, Rohbenzol und Teer.

Nach Erweiterungen in den 1970er Jahren besaß die Kokerei 304 Öfen und konnte täglich etwa 10.000 Tonnen Kohle zu rund 8.600 Tonnen Koks verarbeiten. In Spitzenzeiten arbeiteten dort rund 1.000 Menschen. Die Kokerei wurde schließlich am 30. Juni 1993 stillgelegt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Ruhrbergbau zunächst noch einmal einen großen Aufschwung. Doch ab den 1950er Jahren begann die Kohlekrise. Gründe waren unter anderem die zunehmende Konkurrenz durch Erdöl und Erdgas, steigende Produktivität anderer Energieträger, später die Konkurrenz preisgünstiger Importkohle, hohe Kosten des deutschen Steinkohlenbergbaus (woran auch extrem hohe staatliche Subventionen nicht wesentlich etwas ändern konnten) und zunehmende Mechanisierung bei gleichzeitig sinkendem Personalbedarf.

Auch die technisch hochmoderne Zeche Zollverein konnte sich diesem Strukturwandel nicht dauerhaft entziehen. 1983 beschloss die Ruhrkohle AG die Stilllegung. Besonders bemerkenswert: Ursprünglich war nicht vorgesehen, Zollverein als Denkmal zu erhalten. Vielmehr drohte der Abriss der Anlage. 

Am 23. Dezember 1986 wurde Zollverein als letzte von rund 290 Essener Zechen stillgelegt. Nur wenige Tage zuvor, am 16. Dezember 1986, hatte das Land Nordrhein-Westfalen die Schachtanlage XII unter Denkmalschutz gestellt. Damit war ihr Abriss zunächst verhindert. Das war für die heutige Bedeutung Zollvereins entscheidend. Denn ohne diese Entscheidung wäre wahrscheinlich ein großer Teil der historischen Anlage verschwunden.

In den späten 1980er Jahren setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass man die stillgelegten Industrieanlagen nicht zwangsläufig abreißen musste. Das Konzept lautete: „Erhalt durch Umnutzung“. Zollverein wurde zu einem der wichtigsten Projekte der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA). Ab etwa 1989/90 begann die systematische Sanierung und Umnutzung der Gebäude. Künstler, Designer, Unternehmen und kulturelle Einrichtungen zogen ein. Ein schönes Beispiel ist das ehemalige Kesselhaus, das durch Norman Foster für das Design Zentrum Nordrhein-Westfalen umgebaut wurde. 1997 zog dort das Design Zentrum ein; daraus entwickelte sich später das Red Dot Design Museum.

Der entscheidende internationale Durchbruch kam am 14. Dezember 2001: Die UNESCO nahm den „Industriekomplex Zeche Zollverein“ in die Welterbeliste auf. Zum Welterbe gehören heute Schacht XII, die Schachtanlage 1/2/8 und die Kokerei Zollverein, zusammen auf einer Fläche von etwa 100 Hektar

Die UNESCO würdigte insbesondere die Bedeutung Zollvereins für die Entwicklung der europäischen Schwerindustrie und die außergewöhnliche Industriearchitektur der Anlage. Die Architektur im Bauhaus-/Neue-Sachlichkeit-Umfeld war über Jahrzehnte beispielgebend für den modernen Industriebau. 

Heute ist Zollverein keine „tote“ Industrieanlage, sondern ein großer Kultur- und Freizeitstandort. Besonders wichtig sind das Ruhr Museum und das Red Dot Design Museum, das sich im ehemaligen Kesselhaus von Schacht XII befindet.

Die riesige Kokereianlage ist heute begehbar und bildet zusammen mit den Förderanlagen einen der eindrucksvollsten erhaltenen Industriekomplexe Europas.

Führungen vermitteln unter anderem Bergbaugeschichte, Technikgeschichte, die Arbeitswelt der Bergleute, Architektur, Kokereitechnik und das vielfältige Thema  Strukturwandel.

Interessant ist auch die Entwicklung der Natur. Nach der Stilllegung eroberte die Vegetation große Teile des Geländes zurück. Heute sind dort zahlreiche Pflanzen- und Tierarten zu finden. Fast ein Drittel des Zollverein-Areals ist inzwischen bewaldet. 

Die Galerie (1-50):

Die Zeche Zollverein
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  • Verfasser/in: Teile des Textes und der Historie sind via ChatGPT recherchiert, von uns gecheckt und sprachlich deutlich geglättet worden.