Die Heeresversuchsanstalt Peenemünde
Die Heeresversuchsanstalt Peenemünde

An diesem Sommertag 2019 besuchten wir dieses einzigartige Museum. Es lohnt sich, das gesamte Gelände - soweit erreichbar! - abzugehen oder mit dem Fahrrad zu erkunden, es ist wirklich sehr weitläufig.

Die Geschichte dahinter ist bedrückend. Die Täter kamen übrigens weitgehend ungestraft davon. Manche konnten ihre Karrieren nahtlos in den USA fortsetzen.

Geschichte der Heeresversuchsanstalt Peenemünde

Die Heeresversuchsanstalt (HVA) Peenemünde auf der Insel Usedom war zwischen 1936 und 1945 das wichtigste deutsche Entwicklungszentrum für Raketenwaffen. Hier entstanden die weltweit ersten Großraketen, darunter die A4-Rakete, die später unter der Propagandabezeichnung V2 (Vergeltungswaffe 2) bekannt wurde. Die Arbeiten in Peenemünde legten zugleich wichtige technische Grundlagen für die spätere Raumfahrt.

Gründung und Aufbau

1936 entschied das Heereswaffenamt, an der dünn besiedelten Nordspitze Usedoms ein neues Erprobungszentrum zu errichten. Ausschlaggebend waren die große Entfernung zu Siedlungen, die Ostsee als ungefährliches Abschussgebiet und die Möglichkeit, eine weitläufige Forschungsanlage zu errichten.

Die Anlage bestand aus mehreren Bereichen:

  • Entwicklungs- und Konstruktionsbüros

  • Windkanälen und Prüfständen

  • Triebwerksprüfanlagen

  • Prüfstand VII als Startrampe für Großraketen

  • Kraftwerk, Werkstätten und Wohnsiedlungen

  • Flugplatz Peenemünde-West für die Luftwaffe

Zeitweise arbeiteten dort mehr als 10.000 Menschen.

Die Raketenentwicklung

Unter Leitung von Wernher von Braun und der militärischen Führung von Walter Dornberger wurden verschiedene Raketen entwickelt.

Wichtige Projekte waren:

  • A1 bis A3 – frühe Versuchsraketen

  • A5 – Erprobungsmodell

  • A4 (V2) – erste einsatzfähige Großrakete

Am 3. Oktober 1942 gelang erstmals weltweit der erfolgreiche Start einer Großrakete, die den Rand des Weltraums erreichte und ihr Zielgebiet traf. Dieses Ereignis gilt als Meilenstein der Raketentechnik.

Technische Bedeutung

Die A4 besaß für ihre Zeit außergewöhnliche Eigenschaften:

  • Höhe: etwa 14 Meter

  • Startmasse: rund 12,5 Tonnen

  • Flüssigtreibstoff aus Alkohol und flüssigem Sauerstoff

  • Schub: etwa 25 Tonnen

  • Reichweite: ungefähr 320 Kilometer

  • Geschwindigkeit: über 5.000 km/h

Viele technische Lösungen fanden Jahrzehnte später auch in zivilen Raumfahrtprogrammen Verwendung.

Bombardierung der Anlage

Die zunehmende Bedeutung Peenemündes blieb den Alliierten nicht verborgen.

In der Nacht vom 17. auf den 18. August 1943 griff die britische Royal Air Force die Anlage während der Operation Hydra an. Mehrere hundert Bomber zerstörten große Teile des Entwicklungszentrums.

Bei dem Angriff kamen zahlreiche Menschen ums Leben, darunter Wissenschaftler, Soldaten sowie viele Zwangsarbeiter. Obwohl das Raketenprogramm verzögert wurde, konnte es nicht vollständig gestoppt werden.

Verlagerung nach Mittelwerk

Nach den Luftangriffen wurde die Serienproduktion der A4 in das unterirdische Mittelwerk verlegt.

Dort mussten Häftlinge des Konzentrationslagers KZ Mittelbau-Dora unter unmenschlichen Bedingungen Raketen fertigen. Zehntausende Menschen starben infolge von Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten und Misshandlungen. Die Zahl der Todesopfer in der Produktion überstieg deutlich die Zahl der Menschen, die durch den militärischen Einsatz der V2 getötet wurden.

Kriegsende

Anfang 1945 räumte die Wehrmacht große Teile der Anlage.

Im Mai 1945 besetzten sowjetische Truppen Peenemünde. Zahlreiche Maschinen und Unterlagen wurden als Reparationen in die Sowjetunion verbracht.

Ein Teil der Wissenschaftler hatte sich bereits den amerikanischen Streitkräften ergeben und wurde später im Rahmen der Operation Paperclip in die USA gebracht.

Bedeutung für die Raumfahrt

Viele ehemalige Peenemünder Ingenieure arbeiteten später an bedeutenden Raumfahrtprogrammen:

  • in den USA an den Raketen Redstone, Jupiter und schließlich der Saturn V

  • in der Sowjetunion wurden ebenfalls zahlreiche Erkenntnisse aus Peenemünde ausgewertet und in eigene Entwicklungen übernommen

Damit beeinflusste die Forschung in Peenemünde sowohl das amerikanische als auch das sowjetische Raumfahrtprogramm des Kalten Krieges.

Die Anlage nach 1945

Nach dem Krieg nutzte zunächst die Sowjetarmee Teile des Geländes. Später übernahm die Nationale Volksarmee der DDR verschiedene Bereiche.

Seit den 1990er Jahren wird die Geschichte wissenschaftlich aufgearbeitet. Im ehemaligen Kohlekraftwerk befindet sich heute das Historisch-Technisches Museum Peenemünde. Das Museum dokumentiert sowohl die außergewöhnlichen technischen Leistungen als auch die Verstrickung der Forschung in das nationalsozialistische Regime und die Ausbeutung von Zwangsarbeitern.

Historische Einordnung

Die Heeresversuchsanstalt Peenemünde nimmt in der Geschichte eine besondere Stellung ein. Einerseits war sie die Geburtsstätte moderner Großraketen und ein Ausgangspunkt der späteren Raumfahrttechnik. Andererseits entstand ein Großteil dieser Entwicklungen im Dienst eines verbrecherischen Regimes und war eng mit Krieg, Zwangsarbeit und schweren Menschenrechtsverletzungen verbunden. Deshalb wird Peenemünde heute sowohl als Ort bedeutender technischer Innovationen als auch als Mahnmal für die ethische Verantwortung von Wissenschaft und Technik betrachtet.

Die Galerie:

Die Heeresversuchsanstalt Peenemünde
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  • Verfasser/in: Teile des Artikels (Abschnitt "Geschichte") sind mit ChatGPT erzeugt worden.