Luftwaffenerprobungsstelle Rechlin
Luftwaffenerprobungsstelle Rechlin

Im Jahre 2020 haben wir diesen relativ kleinen Lost Place besuchen können. Wir waren insgesamt mindestens schon dreimal dort. Diesmal entstand ein Videoclip, habt Spaß damit.  

Geschichte

Die Erprobungsstelle Rechlin am Südufer der Müritz in Mecklenburg war von 1926 bis 1945 die zentrale Erprobungs- und Zulassungsstelle für militärische Luftfahrzeuge im Deutschen Reich. Nahezu jedes Flugzeugmuster der späteren Luftwaffe wurde hier erprobt, bewertet und für den Truppeneinsatz freigegeben. Damit war Rechlin für die Luftfahrttechnik von ähnlicher Bedeutung wie die Heeresversuchsanstalt Peenemünde für die Raketentechnik. Bereits während des Ersten Weltkriegs plante das preußische Kriegsministerium den Aufbau einer Flieger-Versuchs- und Lehranstalt an der Müritz. 1918 wurde die Anlage eröffnet, jedoch nach Kriegsende infolge der Bestimmungen des Versailler Vertrags weitgehend aufgegeben und zurückgebaut. Erst nachdem Deutschland ab Mitte der 1920er Jahre wieder begrenzte Möglichkeiten zur Luftfahrtentwicklung erhielt, begann 1925 der erneute Aufbau. Die eigentliche Erprobungsstelle nahm 1926 ihren Betrieb auf.

Mit der nationalsozialistischen Aufrüstung ab 1933 wurde Rechlin erheblich erweitert. Es entstanden: mehrere Flugplätze (Rechlin, Lärz und Roggentin), große Hangars und Werkstätten, Motoren- und Waffenprüfstände, Mess- und Versuchseinrichtungen, Wohnsiedlungen und Kasernen, ein eigenes Bahnnetz innerhalb der Anlage. Die Anlage war in die Bereiche Nord, Ost, Süd und West gegliedert und entwickelte sich zur größten Erprobungsstelle der deutschen Luftwaffe. Tausende Ingenieure, Techniker, Soldaten und zivile Mitarbeiter arbeiteten dort. Die Hauptaufgabe bestand darin, neue Flugzeuge und deren Ausrüstung unter realen Einsatzbedingungen zu testen. Dazu gehörten: Flugleistungen Flugeigenschaften Triebwerke Bewaffnung Funk- und Navigationsgeräte Vereisungs- und Höhenversuche Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit Erst nach erfolgreicher Erprobung erhielten Flugzeugmuster die Freigabe für die Serienproduktion oder den Fronteinsatz.

In Rechlin wurden nahezu alle bedeutenden deutschen Militärflugzeuge der Zeit untersucht, darunter:

  • Messerschmitt Bf 109
  • Messerschmitt Bf 110
  • Junkers Ju 87 „Stuka“
  • Junkers Ju 88
  • Heinkel He 111
  • Focke-Wulf Fw 190
  • Dornier Do 217
  • Heinkel He 177

Ab 1944 wurden außerdem moderne Strahlflugzeuge wie die Messerschmitt Me 262, die Arado Ar 234 und weitere fortschrittliche Muster erprobt. Rechlin spielte damit eine wichtige Rolle beim Übergang von der Propeller- zur Düsenluftfahrt.

Eine besondere Aufgabe der Erprobungsstelle war die Untersuchung erbeuteter alliierter Flugzeuge. Dazu gehörten unter anderem: Supermarine Spitfire, Hawker Hurricane,  North American P-51 Mustang, Boeing B-17, Consolidated B-24 Die Maschinen wurden auf ihre Leistungsfähigkeit untersucht und mit deutschen Flugzeugen verglichen. Die Ergebnisse flossen in die Ausbildung deutscher Piloten sowie in die Weiterentwicklung eigener Flugzeugtypen ein. Die Arbeit der Testpiloten war äußerst gefährlich. Viele Prototypen befanden sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium, sodass technische Defekte häufig zu schweren Unfällen führten. Zahlreiche Testpiloten verloren während der Erprobungen ihr Leben.

Ab 1944 wurde Rechlin wiederholt von alliierten Luftstreitkräften bombardiert. Im Frühjahr 1945 wurden Teile der Anlagen von der Wehrmacht zerstört oder geräumt. Anfang Mai 1945 besetzte die Rote Armee das Gelände und beschlagnahmte zahlreiche Flugzeuge, Unterlagen und technische Ausrüstungen. Nach dem Krieg nutzten zunächst die sowjetischen Streitkräfte den Flugplatz und große Teile der ehemaligen Erprobungsstelle. Der benachbarte Flugplatz Lärz blieb bis 1993 militärisch genutzt. Andere Bereiche wurden unter anderem für eine Schiffswerft und Einrichtungen der DDR verwendet. Erst nach dem Abzug der sowjetischen Truppen konnten Teile des historischen Geländes wieder öffentlich zugänglich gemacht werden.

Heute erinnert das Luftfahrttechnisches Museum Rechlin an die Geschichte der Erprobungsstelle. Ausgestellt werden Flugzeugteile, Triebwerke, Messgeräte, Dokumente und Modelle. Die Ausstellung beleuchtet sowohl die technischen Leistungen der Rechliner Ingenieure als auch die Einbindung der Einrichtung in die nationalsozialistische Aufrüstung und den Zweiten Weltkrieg. Die Erprobungsstelle Rechlin war das wichtigste deutsche Zentrum für die Erprobung militärischer Luftfahrzeuge. Viele dort entwickelte oder getestete Verfahren beeinflussten die Luftfahrttechnik weit über das Kriegsende hinaus. Gleichzeitig war die Einrichtung ein wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie und damit eng mit den Kriegszielen des Regimes verbunden. Heute wird ihre Geschichte sowohl unter technischen als auch unter historischen und ethischen Gesichtspunkten wissenschaftlich aufgearbeitet. 

  • Verfasser/in: Hinweis: der Abschnitt "Geschichte" ist mit ChatGPT erzeugt worden.