Der Autofriedhof Båstnäs (schwedisch: Båstnäs bilkyrkogård oder Ivanssons Bilskrot) entstand in den 1950er Jahren durch eine wirtschaftliche Marktlücke an der schwedisch-norwegischen Grenze und gilt heute als einer der faszinierendsten Lost Places Europas. Tief in den Wäldern der Gemeinde Årjäng rosten rund 800 bis 1000 Oldtimer aus den 1940er bis 1970er Jahren vor sich hin, während die Natur das Areal unaufhaltsam zurückerobert.
Im September 2009 war ich hier das erste Mal. Ich lernte noch einen der beiden Brüder kennen, der sich tatsächlich noch ein wenig um die alten Autowracks zu kümmern schien und auf jeden Fall noch in dem roten Holzhaus wohnte. War eine freundliche Begegnung. Da waren damals die meisten Autos auch noch nicht in so einem traurigen Zustand. Von der großen Wiese sind einige Autos in den Jahren seitdem verschwunden, wie man an den Lücken erkennen kann. Auf den Bildern in diesem Artikel sieht man, dass 2009 durchaus noch zu rettende Exemplare auf dem Platz waren.
Die Gründung und das zollfreie Geschäftsmodell
Die Gründer: Die Brüder Tore und Rune Ivansson eröffneten den Platz um 1955/1956 mitten im Nirgendwo.
Die Gesetzeslücke: Im Nachkriegs-Norwegen herrschte akuter Automangel. Die norwegische Regierung erhob extrem hohe Einfuhrzölle auf fahrbereite Autos, um die heimische Wirtschaft zu schützen – gebrauchte Ersatzteile waren jedoch zollfrei.
Der Grenzschmuggel: Norwegische Kunden kauften billige schwedische Wagen bei den Ivanssons. Die Autos wurden vor Ort in Karosserie, Motor und Achsen zerlegt und in Einzelteilen zollfrei über die nahe Grenze (paar hundert Meter) gebracht, um in Norwegen wieder zusammengebaut zu werden. Andere Kunden brachten einfach norwegische Kennzeichen mit und schraubten sie illegal direkt auf die schwedischen Wracks.
Der Niedergang in den 1980er Jahren
Wirtschaftsboom: Ende der 1960er Jahre fand Norwegen Erdöl. Der Wohlstand stieg rasant an.
Neue Gesetze: Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre lockerte Norwegen die strengen Einfuhrbedingungen für Autos.
Das Aus: Das Geschäftsmodell wurde überflüssig. Im Jahr 1986 stellten die Brüder den Betrieb offiziell ein, nachdem ihnen die Schrottlizenz entzogen worden war. Die leeren Karosserien ließen sie im Wald zurück.
Heutiger Status: Kulturort und Fotomotiv.
Kulturgut: Da das Gelände heute als historisches Denkmal nordischer Mobilitätsgeschichte gilt, darf dort nichts verändert oder abtransportiert werden.
Automobile Schätze: Zwischen Moos und Bäumen stehen seltene Klassiker wie der Volvo PV444 (Buckelvolvo), VW Käfer, Ford Anglia sowie Modelle von Opel, Saab und Mercedes.
Tourismus: Der Ort zieht weltweit Fotografen und Lost-Place-Enthusiasten an. Am Haupthaus erinnert eine berühmte Notiz der Eigentümer an die Besucher: „Fotografieren erlaubt, aber klauen oder zerstören verboten!“
Die Lage:
Die Galerie ist >450 Bilder groß und daher auf mehrere Seiten dieses Beitrags aufgeteilt.