Die Kasernen in Döberitz gehörten zu den bedeutendsten Militärstandorten Deutschlands. Gemeinsam mit dem Truppenübungsplatz Döberitz, der westlich von Berlin lag, bildeten sie über fast ein Jahrhundert eines der größten Ausbildungs- und Übungszentren der preußischen Armee, der Reichswehr, der Wehrmacht und später der sowjetischen Streitkräfte.
Unsere Besuche
Die Bilder aus dieser Galerie entstanden im Jahre 2017. Da war schon der Panther "geklaut" worden, der sonst vor dem Kasino stand (2011 beim ersten Besuch noch vorhanden). Heute, 9 Jahre später, sind gerade mal noch eine Handvoll Gebäude erhalten, u.a. das Stabsgebäude und das Wirtschaftsgebäude. Die Unterkünfte und die Wachgebäude wurden abgerissen, ebenso die Nebengebäude.
Die Anfänge
Die Geschichte begann 1895, als der preußische Staat rund 4.400 Hektar Land westlich von Berlin für einen neuen Truppenübungsplatz enteignete. Das Dorf Döberitz musste weitgehend aufgegeben werden, zahlreiche Gebäude wurden geräumt oder später abgerissen. Gleichzeitig entstanden erste Zeltlager und Holzbaracken für die Ausbildung der Garderegimenter.
Da die provisorischen Unterkünfte den ständig wachsenden Truppen nicht mehr genügten, errichtete das Militär bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs ein großes Barackenlager mit Kasernen, Wirtschaftsgebäuden, Lazaretten und Versorgungseinrichtungen zwischen Dallgow und Rohrbeck. Dieses entwickelte sich zu einer eigenständigen Garnisonsstadt.
Militärstandort des Deutschen Kaiserreichs
Vor dem Ersten Weltkrieg wurden in Döberitz vor allem Einheiten der preußischen Garde ausgebildet. Der Truppenübungsplatz bot ideale Bedingungen für:
- Infanterie- und Artillerieausbildung
- Kavallerieübungen
- Schießausbildung
- Manöver großer Truppenverbände
Ab 1910 entstand zusätzlich ein Flugplatz. Damit entwickelte sich Döberitz zu einem der ersten Standorte der deutschen Militärfliegerei
Erster Weltkrieg
Mit Beginn des Krieges 1914 wurde die Garnison stark erweitert. Neben Ausbildungsverbänden befanden sich auf dem Gelände auch große Kriegsgefangenenlager. Bis 1918 waren dort zeitweise mehr als 30.000 Gefangene verschiedener Nationen untergebracht.
Reichswehr und Wiederaufrüstung
Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Döberitz trotz der Beschränkungen des Versailler Vertrags ein wichtiger Militärstandort. In den 1920er Jahren nutzte die Reichswehr die vorhandenen Anlagen weiter.
Mit der Aufrüstung nach 1933 wurde das Gelände erheblich erweitert. Es entstanden:
- neue Kasernen
- Werkstätten
- Fahrzeughallen
- Munitionslager
- Ausbildungszentren
- zusätzliche Flugplatzanlagen
Döberitz wurde Teil eines weit verzweigten Militärkomplexes mit Standorten in Spandau, Gatow und Potsdam.
Zeit des Nationalsozialismus
Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Döberitz zu den wichtigsten Ausbildungsstandorten der Wehrmacht.
In der Umgebung entstanden unter anderem:
- das Olympische Dorf für die Olympischen Spiele 1936, das anschließend als Infanterieschule genutzt wurde,
- Fliegerkasernen,
- Luftnachrichten- und Flakstellungen,
- zahlreiche weitere Kasernen- und Unterkunftsgebäude.
Obwohl der Standort den Alliierten bekannt war, blieb er von großflächigen Bombardierungen weitgehend verschont.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
1945 besetzte die Rote Armee das Gelände. Der gesamte Truppenübungsplatz ging in die Nutzung der sowjetischen Streitkräfte über und blieb jahrzehntelang militärisches Sperrgebiet.
1957 mussten die letzten Bewohner des alten Dorfes Döberitz ihre Häuser verlassen. Das Dorf wurde vollständig beseitigt, um den Übungsplatz zu erweitern. Die Kasernen dienten fortan überwiegend sowjetischen Panzer- und Mot.-Schützenverbänden.
Nach der Wiedervereinigung
Mit dem Abzug der sowjetischen Truppen 1991/92 endete die militärische Nutzung großer Teile des Geländes. Die Entwicklung verlief unterschiedlich:
- Ein kleiner Teil wird bis heute von der Bundeswehr als Standortübungsplatz genutzt.
- Der überwiegende Teil wurde zur Döberitzer Heide, einem Naturschutzgebiet mit Wisenten, Przewalski-Pferden und zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten.
- Einige ehemalige Kasernen wurden saniert und zu Wohnungen oder Gewerbeflächen umgebaut, andere abgerissen.
Historische Bedeutung
Die Kasernen von Döberitz waren über fast 100 Jahre ein zentraler Bestandteil des deutschen Militärwesens. Hier wurden Generationen von Soldaten ausgebildet, neue militärische Verfahren erprobt und – mit dem Flugplatz Döberitz – wichtige Schritte der frühen Militärfliegerei vollzogen. Nach 1945 prägte der Standort die Präsenz der sowjetischen Streitkräfte in Ostdeutschland.
Heute erinnern noch erhaltene Gebäude, das Olympische Dorf und die weitläufige Döberitzer Heide an die wechselvolle Geschichte dieses traditionsreichen Militärstandorts, dessen Entwicklung die politischen und militärischen Umbrüche Deutschlands vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung widerspiegelt.
Quellen:
- https://de.wikipedia.org/wiki/Dallgow-D%C3%B6beritz "Dallgow-Döberitz"
- https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Kasernen/Wehrkreis03/KasernenDoeberitz-R.htm "Garnison Döberitz - Lexikon der Wehrmacht"
- https://www.potsdam.de/system/files/documents/VU%20Kaserne%20Krampnitz%20v202%20Kap-00-03%201_red_1.pdf "Umgestaltung Krampnitz"
- https://www.dallgow.de/seite/102930/geschichte.html "Geschichte - Dallgow-Döberitz"
Unseren ersten Besuch findet ihr hier: Kasernen in Döberitz (1. Besuch)






















































































