Die Kasernenanlage Forst Zinna bei Jüterbog in Brandenburg gehörte zu den größten Militärstandorten Deutschlands. Sie ist auch heute noch, trotz 2007 begonnenem Abriss, einer der größten Lost Places im Land. Die Geschichte spiegelt nahezu alle politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider – von der Aufrüstung der Wehrmacht über die sowjetische Besatzung und die frühe DDR bis zum Kalten Krieg und der Renaturierung nach 1990.
Entstehung während der Aufrüstung
Im Zuge der Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches begann 1934 der Bau eines neuen Truppenlagers am Rand des Truppenübungsplatzes Jüterbog. Das zunächst als „Lager III“ bezeichnete Kasernenareal entstand südöstlich der Bahnstrecke Berlin–Halle in einem ausgedehnten Waldgebiet. Später wurde es zeitweise propagandistisch als „Adolf-Hitler-Lager“ bezeichnet. Die Anlage war modern geplant und umfasste Unterkunftsgebäude, Wirtschafts- und Werkstattgebäude, Fahrzeughallen, Sportanlagen, ein Kino und Gemeinschaftseinrichtungen sowie einen eigenen Bahnhof „Forst Zinna“ für Truppen- und Materialtransporte.
Durch die unmittelbare Nähe zum Truppenübungsplatz konnten Verbände ohne lange Anmarschwege ausgebildet werden.
Nutzung durch die Wehrmacht
Während des Zweiten Weltkriegs waren in Forst Zinna verschiedene Einheiten stationiert. Unter anderem dienten die Kasernen der Ausbildung der damals neu entstehenden Sturmgeschütztruppe, außerdem waren Beobachtungs- und Artillerieverbände untergebracht. In den letzten Kriegswochen wurde das Lager Teil des Aufstellungsraums der RAD-Infanteriedivision „Friedrich Ludwig Jahn“, die im April 1945 noch gegen die heranrückenden Alliierten eingesetzt wurde.
Internierungslager der Sowjetischen Besatzungsmacht
Nach Kriegsende übernahm die Rote Armee das Gelände. Zunächst diente es als Internierungslager für sogenannte Displaced Persons verschiedener Nationalitäten, bevor diese in ihre Herkunftsländer zurückgeführt wurden. Diese Phase dauerte bis 1947.
Die Deutsche Verwaltungsakademie
Ein ungewöhnliches Kapitel begann 1947, als die SED in den Kasernen die Deutsche Verwaltungsakademie „Walter Ulbricht“ einrichtete. Hier wurden Verwaltungsbeamte und künftige Funktionäre für die entstehende Verwaltung der Sowjetischen Besatzungszone und später der DDR ausgebildet. Die ehemalige Kaserne wurde dafür umfangreich umgestaltet: Hörsäle entstanden, Gebäude wurden modernisiert, Künstler und Architekten – darunter der Bauhaus-Architekt Selman Selmanagić – gestalteten Möbel und Innenräume.
Aber bereits 1953 musste die Akademie nach Potsdam-Babelsberg umziehen, weil die sowjetischen Streitkräfte das Gelände wieder vollständig beanspruchten.
Sowjetische Garnison
Ab 1953 wurde Forst Zinna erneut ein militärischer Standort der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD, später WGT). Die Garnison entwickelte sich zu einer kleinen Stadt mit mehreren Kasernenkomplexen, Offizierswohnungen, mehreren Werkstätten, Garagen, einem Kulturhaus, einem Kino, ausgedehnten Sportanlagen, diversen medizinischen Einrichtungen und sogar einem kleinen Zoo für die Angehörigen der Garnison.
In den 1970er-Jahren entstand zusätzlich ein neuer Unterkunftsbereich für ein Baubataillon. Diese Gebäude sind unschwer am Baustil erkennbar und befinden sich im südöstlichen Teil des Geländes. Forst Zinna blieb bis zum Abzug der sowjetischen Truppen Anfang der 1990er-Jahre ein bedeutender Militärstandort.
Das Eisenbahnunglück von 1988
Traurige Berühmtheit erlangte Forst Zinna am 19. Januar 1988. Während einer Panzerübung geriet ein sowjetischer Kampfpanzer auf die Bahnstrecke Berlin–Halle. Ein D-Zug prallte mit hoher Geschwindigkeit gegen das Fahrzeug. Der Unfall forderte 6 Tote und 33 Verletzte, der Unfall zählt zu den schwersten Eisenbahnunfällen der DDR. Er führte zu umfangreichen Sicherungsmaßnahmen entlang der Bahnstrecke. Es gibt eine sehenswerte Dokumentation des MDR über das Unglück (Youtube).
Nutzungsende und Rückbau
Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte wurde der riesige Kasernenkomplex nicht mehr benötigt. Wie viele andere ehemalige Militärstandorte sollte Forst Zinna nicht erhalten werden. Ab 2007 begann ein teilweiser Abriss, aber noch heute (2026) stehen viele Gebäude. Aber hunderte Gebäude wurden beseitigt, Straßen und Fundamente zurückgebaut, große Flächen entsiegelt, das Gelände teilweise renaturiert.
Lediglich das ehemalige Proviantlager der Wehrmacht (westliche Ecke des Geländes, zwischen Zuwegung und Bundesstraße 101) mit mehreren Speichergebäuden soll als denkmalgeschütztes Ensemble erhalten werden. Ziel der Maßnahmen war es, das Gebiet wieder in die Landschaft des Naturparks Nuthe-Nieplitz einzugliedern und zugleich Flächen für eine mögliche spätere gewerbliche Nutzung freizuhalten.
Bedeutung
Die Kasernenanlage Forst Zinna war Teil der traditionsreichen Garnisonslandschaft um Jüterbog, die seit dem 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Militärstandorten Deutschlands gehörte. Kaum ein anderer Ort vereint so viele historische Epochen auf engem Raum: die Aufrüstung der Wehrmacht, die unmittelbare Nachkriegszeit, die politische Eliteausbildung der frühen DDR, den Kalten Krieg mit einer großen sowjetischen Garnison und schließlich die begonnene Renaturierung nach der Wiedervereinigung. Heute erinnern noch einige erhaltene Gebäude und Geländestrukturen an diese einst weitläufige Militärstadt.
Sicherheit?
Die Gebäude waren schon bei meinem Besuch 2013 in einem baulich wirklich schlechten Zustand, in einigen Häusern gab es anscheinend auch schon Brandstiftung. Durchgebrochene Decken und Deckenbalken hatte wohl jedes Haus. Das wurde erleichtert, weil ziemlich viel Wasser durch offenstehende Fenster eindringen konnte. Mit "offenstehend" ist gemeint: tatsächlich hat sie jemand mal aufgemacht und nicht mehr geschlossen, erkennbar an der Verriegelung. Und die Dächer sind allesamt löchriger als Schweizer Käse. In die meisten Häuser konnte ich schon 2013 nicht mehr mit gutem Gefühl hinein. Wenn unter dir die Treppe plötzlich laut knackt und du den Ruck spürst, ahnst du schon: "da ist was faul" (im Wortsinne). Lange Rede, kurzer Sinn: einen weiteren Besuch kann man sich wohl sparen. Oder sollte man sich sparen. In den vielen Jahren ist sicherlich alles noch maroder und gefährlicher geworden. Schade, war mega interessant eigentlich!
Die Lage:
| Noch ein Hinweis für die Ansicht aller Seiten gleichzeitig - die Galerie hat 342 Bilder, schaut sie euch also am besten über WLAN an, wenn euer Datenvolumen unterwegs ein wenig knapp ist. |

















































