Die Kaserne des Flugplatzes Sperenberg
Die Kaserne des Flugplatzes Sperenberg

Die östlich des Flugplatzes Sperenberg gelegene Kaserne war weit mehr als eine gewöhnliche Truppenunterkunft. Sie entwickelte sich über mehr als 120 Jahre von einer preußischen Eisenbahnpionierkaserne zu einer der größten sowjetischen Garnisonen in Deutschland. Das Gelände erstreckt sich zwischen dem Schumkasee und dem Heegesee und wird häufig als „Soldatenstädtchen Sperenberg“ bezeichnet. 

Die Anfänge im Kaiserreich

Mit dem Bau der Königlich-Preußischen Militäreisenbahn zwischen Berlin und dem Schießplatz Kummersdorf entstand ab 1875 die erste Kaserne in Sperenberg. Sie diente den Eisenbahnpionieren, deren Aufgabe der Bau und Betrieb militärischer Eisenbahnstrecken sowie von Brückenanlagen war.

Die charakteristischen roten Klinkerbauten mit ihren Ecktürmen entstanden in dieser Zeit und prägen das Gelände bis heute. Viele der erhaltenen Häuser wurden irgendwann grau übermalt, was der ganzen Anlage ein bedrückendes Aussehen verleiht. In der Umgebung wurden Brückenbau, Feldbahnen und militärische Eisenbahntechnik erprobt. Noch heute sind am Schumkasee Reste ehemaliger Brückenversuche und Fundamente erhalten. 

Reichswehr und Wehrmacht

Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte zunächst die Reichswehr die Kaserne weiter. Ab 1935 erfolgte ein erheblicher Ausbau. Hier wurden unter anderem Eisenbahnpioniere ausgebildet, schwere Behelfsbrücken entwickelt, Brückenbau-Bataillone stationiert und Versuchsanlagen für den militärischen Brückenbau eingerichtet. Die Nähe zum Heeresversuchsgelände Kummersdorf machte Sperenberg zu einem wichtigen Ausbildungsstandort für Pioniereinheiten. 

Die sowjetische Garnison

Nach 1945 übernahm die Rote Armee die gesamte Anlage. Zunächst waren hier sowjetische Brückenbaupioniere stationiert. Mit dem Bau des Flugplatzes Sperenberg (1958–1960) erhielt die Kaserne eine völlig neue Bedeutung. Sie wurde zur Garnison des Flugplatzes und wuchs zu einer eigenständigen Kleinstadt heran. Die vorhandenen historischen Kasernen wurden weiter genutzt und um zahlreiche Neubauten ergänzt. Deswegen stehen hier auch Bauten der 50er bis 70er Jahre (typische Plattenbauten /Großbauten), generell sind die dichter zum Flugplatz gebaut als die älteren Teile der Anlage.

Das „Soldatenstädtchen“

In den 1960er- und 1970er-Jahren entstand eine nahezu autarke Garnisonsstadt. Zur Infrastruktur gehörten unter anderem mehrere Wohnviertel für Soldaten und Offiziere, eine Schule, Kindergärten, Kulturhaus, Kino, Theater, Sportanlagen, eine Großbäckerei, Supermarkt, Krankenhaus, viele Werkstätten sowie Garagen und Fahrzeughallen.

Im nördlichen Bereich lebten überwiegend Mannschaften und Unteroffiziere. Offiziere und ihre Familien wohnten in neu errichteten Wohnblocks im südlichen Teil in Richtung Heegesee. Insgesamt lebten zeitweise mehr als 5.000 Soldaten und Zivilbeschäftigte in der Garnison. 

Militärische Bedeutung

Die Kaserne beherbergte die Einheiten des auf dem Flugplatz stationierten 226. Selbständigen Gemischten Fliegerregiments der sowjetischen 16. Luftarmee. Daneben waren Hubschraubereinheiten und Spezialverbände des funkelektronischen Kampfes untergebracht. Besonders bekannt war das Ausbildungszentrum „Elektron“, in dem Spezialisten für Radar- und Funktechnik sowie zeitweise Jägerleitoffiziere der Luftverteidigung der Nationalen Volksarmee ausgebildet wurden. 

Nach dem Kalten Krieg und heute

Mit dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte 1994 wurde auch die Garnison aufgegeben. Wegen der zeitweise geplanten Errichtung eines neuen Berliner Großflughafens in Sperenberg blieb ein Abriss zunächst aus. Dadurch blieben außergewöhnlich viele Gebäude erhalten. Heute zählt das ehemalige "Soldatenstädtchen" zu den größten erhaltenen Garnisonsanlagen der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Viele Gebäude stehen noch, darunter die historischen Kasernen aus dem Kaiserreich, ehemalige Offizierswohnhäuser, die Wohnblöcke aus der DDR-Zeit, eine Schule und Sportanlagen, das Kulturhaus und einige Garagen mit Werkstätten.

Ein Teil der Gebäude ist stark verfallen. Bei unserem Besuch in 2013 war von Vandalismus noch kaum was zu sehen, wie die Bilder der Galerie belegen. Eine derart große Anlage, die noch nicht vandalisiert wurde, war damals schon eine Seltenheit. Das mag aber auch an dem aufmerksamen Sicherheitsdienst dort liegen - wenn man genau hinsieht, erkennt man unschwer, dass hier aktiv "Streife" gefahren wird.

Aufgrund von Einsturzgefahr, Altlasten und möglicher Munitionsreste ist das Gelände größtenteils nicht frei zugänglich. Einige Bereiche können im Rahmen geführter Exkursionen besichtigt werden. Die Geschichte der Kaserne ist ein eindrucksvolles Beispiel für die wechselvolle Militärgeschichte Deutschlands: vom preußischen Eisenbahnpionierstandort über die Wehrmacht bis hin zu einer der wichtigsten sowjetischen Garnisonen des Kalten Krieges. Zusammen mit dem Flugplatz bildet sie eines der größten zusammenhängenden militärhistorischen Ensembles Brandenburgs.

Was wir besonders auffällig fanden

  • In einigen Wohnblöcken waren ein paar Briefkästen noch gefüllt mit Post. Offenbar wurde immer noch zugestellt, als die Soldaten längst abgezogen waren.
  • Die Elektro-Installationen waren z.T. recht fortschrittlich, statt der Schmelzsicherungen zum Einschrauben hatten die Wohnungen aus den 50ern schon Sicherungsautomaten.
  • Wie überall in den Ex-Garnisonen der GSSD (GST) fanden wir eine Menge leere Panzerschränke, zum Teil im Keller oder an sonstigen "merkwürdigen" Orten. Rund um einen Panzerschrank lagen Briefe verstreut, die augenscheinlich private Korrespondenz enthielten. Vielleicht der Safe des Zensors?
  • Eine Holzbaracke hatte man verklinkert. Sowas hab ich auch noch nicht gesehen.
  • Ein uralter Bau aus der Kaiserzeit war schwarz gestrichen. An den kleinen vergitterten Fenstern und an einer erhaltenen Pritsche kann man sehen, dass dies Arrestzellen waren. Man kann sich vorstellen, was für ein Höllenloch das wohl gewesen ist im Sommer, ohne Luft und bei kochendheißen Wänden.
  • Das Dach vom Kinosaal war eingestürzt. Seltsam, in der Kaserne Vogelsang und an einem anderen Ort war das auch so - immer war das Kino eingestürzt!
  • Die braunen Einbauschränke mit den goldfarben umrandeten Türen sah ich auch schon anderswo, das scheint eine Art zentrale Gestaltungsvorgabe gewesen zu sein.

Die Lage:

(Die Galerie ist >200 Bilder groß und daher auf mehrere Seiten dieses Beitrags aufgeteilt.)

Die Galerie (Bild 1-50):

Die Kaserne des Flugplatzes Sperenberg
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  • Verfasser/in: Teile der Informationen wurden mit ChatGPT zusammengesucht, der Text anschließend von uns überarbeitet.