Das Munitionslager „Neues Lager“ bei Jüterbog war eines der größten und geheimsten deutschen Munitions‑ und Sprengstoffdepots des 20. Jahrhunderts. Es entstand im Ersten Weltkrieg, wurde im Zweiten Weltkrieg massiv erweitert, später von der Sowjetarmee genutzt und ist heute ein Lost Place mit enormen Altlasten.
Das „Neue Lager“ wurde 1915 als Teil des riesigen Truppenübungsplatzes Jüterbog angelegt. Es diente zunächst als Artillerie‑Munitionsdepot für die kaiserliche Armee. Die Lage war bewusst abgelegen: Wälder, Sandböden, gute Bahnanschlüsse – ideal für gefährliche Lagerstätten.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Depot zunächst reduziert, aber ab 1933 unter der Wehrmacht wieder stark ausgebaut. Man kann die unterschiedlichen Baustile sehr gut auseinanderhalten. Es entstanden so neue Bunker und Splitterschutzbauten, Lagerhallen, ein eigenes Bahnanschlussnetz, Werkstätten zur Munitionsprüfung und aufbereitung. Das „Neue Lager“ war Teil eines ganzen Systems von Munitionslagern rund um Jüterbog (u. a. „Altes Lager“, „Scharfenbrück“, „Scharfenstein“).
Während des Krieges war das „Neue Lager“ ein Hauptumschlagplatz für Artillerie‑ und Flakmunition. Besonderheiten:
- Lagerung großer Mengen Sprengstoff, Granaten, Zünder, Kartuschen.
- Hohe Geheimhaltung – viele Bereiche waren streng abgesperrt.
- Teilweise wurden Zwangsarbeiter für Transport‑ und Sortierarbeiten eingesetzt.
- Gegen Kriegsende wurden Bestände hastig verlagert oder gesprengt.
Nach 1945 übernahm die Rote Armee das gesamte Areal. Das „Neue Lager“ wurde zu einem der größten sowjetischen Munitionsdepots in Mitteleuropa. Hier erfolgte die Lagerung von Artilleriemunition, Panzergranaten, Raketenmunition, später auch Flugabwehrmunition. Es gab einen umfangreichen Ausbau der Bunker, neue Betonbauten und zusätzliche Gleise. Das Gebiet war strenge militärische Sperrzone – für Deutsche komplett unzugänglich (riesige Areale der DDR waren so unzugänglich für die Einwohner).
Vermutlich wurden auch Altbestände der Wehrmacht eingelagert oder vernichtet. Die sowjetische Nutzung hinterließ enorme Mengen Blindgänger, Altmunition und Schadstoffe (Altlasten).
Nach dem Abzug der russischen Streitkräfte blieb das Gelände stark vermüllt, mit tausenden Tonnen Munitionsresten belastet, mit teilweise durch Sprengstoff verseuchten Böden und vielen verfallenden Bunkern.
Bis heute ist das Gebiet nicht vollständig beräumt und teilweise gesperrt, auf der anderen Seite natürlich ein Hotspot für Militärhistoriker, Urbexer und Fotografen.
Immer wieder kommt es zu Funden von Granaten, Minen und Sprengstoffresten. In den 1990ern gab es mehrere kontrollierte Sprengungen großer Munitionsmengen. Das Gebiet gilt als eines der gefährlichsten Altlastareale Brandenburgs.
Warum war Jüterbog so wichtig? Der gesamte Raum Jüterbog war über 100 Jahre lang ein militärisches Zentrum Deutschlands und später der Sowjetunion. Ein riesiger Truppenübungsplatz (über 20.000 ha), mehrere Kasernen, Panzerübungsstrecken, Flugplätze, Munitionsfabriken und Depots stand den Truppen zur Verfügung. Das „Neue Lager“ war ein zentraler Baustein dieses Systems.
| Hinweis in eigener Sache: wir waren nicht in der Nähe der Munitionsbunker, sondern nur im östlichen Teil mit Unterkunfts-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden. Trotzdem sind ehemalige Militäranlagen der GSSD /GST natürlich unberechenbar, schon wegen dem berüchtigt laxen Umgang der sowjetischen Soldaten mit Gefahrgut. |
Die Lage: